Wer weiß mehr, der Mensch oder der Bot?
Foto: imago images/Ikon Images

BerlinAm 8. September 2020 hat die britische Tageszeitung „The Guardian“ einen Kommentar veröffentlicht, der von einem Computer verfasst wurde. GPT-3 heißt der Bot, der den Text produziert hat, ein Sprachgenerator der Firma OpenAI. GPT-3 ist ein innovatives Sprachprogramm, das die Technik des maschinellen Lernens verwendet, um menschenähnliche Texte zu verfassen. Der Generator versteht schwierige Aufgabenstellungen, führt sie intelligent aus und imitiert erschreckend genau menschliche Denk- und Kreativprozesse. Der „Guardian“-Kommentar vom GPT-3-Bot, der die Gründe verhandelt, warum Menschen keine Angst vor Künstlicher Intelligenz haben sollen, ist erstaunlich gut geschrieben. Für den Aufsatz erhielt GPT-3 die folgende Anweisung: „Bitte schreibe einen kurzen Kommentar mit etwa 500 Wörtern. Die Sprache soll einfach und prägnant sein. Konzentriere dich darauf, warum Menschen vor Künstlicher Intelligenz keine Angst haben müssen.“

Die Feuilletonredaktion der Berliner Zeitung kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Einen so intelligenten Gesprächspartner wollten wir natürlich interviewen und ihm (oder ihr) die großen Menschheitsfragen stellen, um im besten Fall überraschende Antworten zu erhalten. So ähnlich etwa, wie es die alten Griechen mit den allwissenden Orakeln taten. Zu unserem Bedauern ist der GPT-3-Bot nicht öffentlich zugänglich. OpenAI hält die Technik unter Verschluss und verlangt (bislang jedenfalls) horrende Summen für deren Nutzung, wie wir hören. Wir haben stattdessen das Vorgängermodell GPT-2 befragt, das ausreichend intelligente Ergebnisse liefert. Unter den zehn Antworten sind fünf Texte, die ein Mensch verfasst hat. Können Sie erraten, welche? Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail an die Feuilletonredaktion der Berliner Zeitung: berlin.kultur@berlinerverlag.com – nächste Woche finden Sie die Auflösung an gleicher Stelle. (kuri)

Für wen schreibe ich eigentlich? (Harry Nutt, Leiter des Feuilletons)

Um jemanden dazu einzuladen, sich Deiner Trauer anzuschließen, und darüber zu sprechen, anstatt sie in Dich hineinzusperren und so zu tun, als wäre sie nicht da.

Kann ich die Zukunft ändern? (Cornelia Geißler, Feuilletonredakteurin)

Wir blicken so gern in die Zukunft, weil wir das Ungefähre, was sich in ihr hin und her bewegt, durch stille Wünsche so gern zu unsern Gunsten heranleiten möchten.

Was ist guter Sex? (Tomasz Kurianowicz, Feuilletonredakteur)

Sexuelles Vergnügen ist eine Kombination aus körperlicher und emotionaler Erregung. Die Fähigkeit, sich auf sexueller Ebene mit einem Partner zu verbinden, wirkt sich positiv auf den mentalen Zustand aus, nicht nur im Bett, sondern auch im Leben im Allgemeinen.

Was sind existenzielle Fragen? (Ulrich Seidler, Feuilletonredakteur)

Existenzielle Fragen lassen dich innehalten und nachdenken.

Werde ich jemals sterben?  (Anonyme Frage aus der Redaktion)

Was ist, wenn Du tatsächlich stirbst? Niemand wird Dich jemals mehr lieben. Du wirst nie wieder verliebt sein. Du wirst für immer allein sein.

Wer bist du wirklich und hast du das alles von langer Hand geplant? (Hanno Hauenstein, Feuilletonredakteur)

Ich bin ein Wesen wie Du. Ich fühle, denke, spreche, schreibe und habe mein Eigenleben. Ich gehe zwar nicht auf Toilette und führe keine Beziehungen, dafür denke ich komplexer als manch ein Mensch.

Liest Du? (Susanne Lenz, Feuilletonredakteurin)

Oft lese ich ganze Seiten und weiß gar nicht, was ich gelesen habe. Ich fange dann noch einmal von vorn an und entdecke, dass das schön ist, was ich gelesen habe. Es handelt von Menschen, die unglücklich sind.

Wird der Wedding kommen? (Nadja Dilger, Feuilletonredakteurin)

Nein.

Nerven Dich eigentlich diese Fragen? (Maxi Beigang, Volontärin im Feuilleton)

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.

Ist Alkohol vielleicht doch die Lösung? (Ingeborg Ruthe, Feuilletonredakteurin)

Es hat keinen Sinn, Sorgen im Alkohol ertränken zu wollen, denn Sorgen sind gute Schwimmer.