Berlin - LALO SCHIFRIN hat Filmmusiken komponiert, die sich in den Gehörgängen der Kinobesucher festgesetzt haben und noch lange nach dem Ende der Vorstellung da nicht herauszubekommen sind. Das berühmtes Beispiel ist die zu „Mission: Impossible“, die nur erklingen muss und schon sieht der Hörer vor seinem geistigen Auge Tom Cruise an einem dünnen Seil mit wie zum Fliegen ausgebreiteten Armen von einer Decke hängen oder bei atemberaubender Geschwindigkeit auf einem TGV-Triebwagen im Ärmelkanaltunnel kämpfen. Wenn ein großer Künstler die Filmmusik geschrieben hat, dann ruft ihr Erklingen die Erinnerung an die Filmbilder ab. Und solche großen Künstler sollten am Donnerstagabend im Umspannwerk Alexanderplatz mit dem Grand Scores Award von Moët & Chandon ausgezeichnet werden. Wobei der Preis für das Lebenswerk an Lalo Schifrin gehen sollte. Der wurde in Argentinien geboren und  wurde von Dizzy Gillespie 1958 als Pianisten und Arrangeur in die Vereinigten Staaten geholt. Danach schrieb er mehr als 100 Werke für Film und Fernsehen, darunter die Filmmusiken für „The Fox“, „The Cicinatti Kid“, „Rush Hour“ und „After the Sunset“. Er gewann zwei Grammys und war fünfmal für den Oscar nominiert. Seinen Grand Scores Award konnte sich der 84-Jährige nicht selbst abholen. Den sollte sein Freund und Kollege Dennis Dreith (von ihm stammt die Musik für „Columbo“ und „Misery“) entgegennehmen.

FLORIAN GALLENBERGER liebt an seinem Beruf als Regisseur besonders jene Phase der Arbeit am Film, wenn die Musik eingespielt wird: „Man sitzt in der Tonregie und sieht vor sich 60 Musiker. Ein bezaubernder Moment.“ Der Oscar-Preisträger setzt dabei nicht auf Überwältigung: „Manchmal kann ein einzelnes Instrument die größte Wirkung entfalten.“ Die Filmmusik findet er besonders deshalb so wichtig, weil sie „den Zuschauer an einer Stelle packt, die ihm nicht bewusst ist.“

AXEL SCHREIBER wurde als Schauspieler dazu gebracht, in der Serie „Türkisch für Anfänger“ Gitarre zu spielen und zu singen. „Weil ich beides eigentlich nicht konnte, bekam ich einige Wochen Gitarrenunterricht. Und zum Glück durfte mein Gesang falsch klingen, das bekam ich gut hin.“ Schreiber liebt Filmmusik: „Wenn ich sie besonders mag, höre ich sie mir auch ohne den Film zu Hause an.“ An der Filmmusik hängt oft, wie ein Film ankommt: „Manchmal rettet die Musik den Film. Aber manchmal ist sie auch viel zu aufdringlich und zerstört eine Szene.“ Zuletzt bekam Schreiber wieder Lust auf die Gitarre und kaufte sich eine elektrische. Die hat den Vorteil, dass er ihr auch über einen Kopfhörer lauschen könnte, falls sich die Nachbarn durch sein Spiel belästigt fühlen sollten. Er wundert sich: „Es gab noch keine Beschwerden.“