Ausschnitt aus „Charlotte Perriand – Eine französische Architektin in Japan 1940–1942“
Foto:  Charles Berberian/Reprodukt Berlin

„Wir sticken hier keine Kissen“, sagt der große Charles-Édouard Jeanneret, besser bekannt als Le Corbusier, als die junge Charlotte Perriand sein Atelier betritt. Dabei hatte der Architekt sie selbst eingeladen, so begeistert war er von ihren sensationellen Entwürfen auf dem Pariser Herbstsalon. Nach diesem sexistischen Fauxpas stellt er sie natürlich ein, und Perriand wird schnell zu seiner rechten Hand. Die aufstrebende Architektin entwirft im Atelier von Le Corbusier auch moderne Möbelklassiker wie die LC4 Chaiselongue, bis sie ihren eigenen Weg gehen möchte. Hier setzt Charles Berberian ein: In wunderschönen Aquarellzeichnungen widmet sich der Comiczeichner in „Charlotte Perriand – Eine französische Architektin in Japan 1940–1942“ jenem Lebensabschnitt, in dem Perriand nach Japan ging und das dortige Design nachhaltig beeinflusste. Sie wurde als Beraterin für Kunst und Kunsthandwerk vom Ministerium für Handel und Industrie nach Tokio eingeladen. Und sie ließ sich auf das Land ein, war der Ansicht, dass sich die japanischen Künstler auf ihre eigene, traditionelle Handwerkskunst besinnen sollten, statt europäische „Möbel, die zu viel Platz einnehmen und dennoch unbequem sind“, zu kopieren. Mit ihren Werken aus Bambus gelingt ihr das.

Hier könnte man meinen, dass sich dieser Aspekt heute nicht mehr so gut liest: Eine weiße Frau kommt nach Ostasien und erinnert die dortigen Künstler an ihre eigene Kultur. Doch Berberian zeichnet mit großem Verständnis für die damalige Zeit und Perriands genuine Faszination für Japan. Komplettiert wird der Comic durch ein längeres Interview, das Berberian mit Perriands Tochter und langjähriger Assistentin Pernette Perriand geführt hat.

Einer weiteren, nicht minder bedeutsamen Persönlichkeit wurde auch jüngst ein Graphic Novel gewidmet. Die Autorin Julie Birmant und der Zeichner Clément Oubrerie begleiten in „Isadora“ die amerikanische Tänzerin Isadora Duncan, die um 1900 mit ihrer Familie nach Paris kam und einen neuen Tanzstil kreierte. Inspiration dafür fand sie bei Auguste Rodin und seinen Skulpturen in Marmor und überhaupt in den Göttinnen der griechischen Antike. Es ist großartig, wie hier Stillstand und Bewegung in Zeichnungen dargestellt werden.

Charles Berberian: Charotte Perriand – Eine französische Architektin in Japan 1940-1942. Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock. Reprodukt, Berlin 2020. 112 S., 20 Euro.

Clément Oubrerie, Julie Birmant: Isadora. Aus dem Französischen von Silv Bannenberg. Reprodukt, Berlin 2020. 140 S., 24 Euro.