Schnell und scharf: Eine Curry mit Gysi. Der wöchentliche Interview-Imbiss mit den Chefredakteuren Elmar Jehn und Jochen Arntz und Politiker Gregor Gysi. Heute: Geld und Geldverschwendung. 

Herr Gysi, das Berliner Museum der Moderne soll mal eben doppelt so teuer werden wie geplant. Solch eine Preissteigerung kann sich kein Currywurstverkäufer erlauben, Politiker schon. Warum eigentlich?

Dass einige öffentliche Großprojekte ewig nicht fertig und immer teurer werden, beeinträchtigt die Glaubwürdigkeit der Politik massiv. Allerdings darf man Äpfel nicht mit Birnen verwechseln. Preissteigerungen bei einer Currywurst sind etwas anderes als bei einem Museum oder dem BER. Leider ist aber die Currywurst in den letzten zwanzig Jahren auch teurer geworden. Politische Entscheidungen über Großprojekte werden nicht selten nach völlig anderen Prämissen getroffen. Wenn es sich um alte Gebäude wie die Staatsoper handelt, kann man sich hinsichtlich des Zustandes des Unterbaus tatsächlich irren. Anders ist es bei diesem Museum oder beim BER. Die politischen Planungsfehler beim BER beginnen bereits bei der falschen Standortwahl von Schönefeld statt Sperenberg. Dabei spielte das Konkurrenzdenken von München und Frankfurt/Main eine gewichtige Rolle. In Sperenberg hätte man frei fliegen können, in Schönefeld muss es Beschränkungen geben.

Sie waren mal Wirtschaftssenator in Berlin. Fühlt es sich eigentlich anders an, ob man sein eigenes Geld ausgibt oder das des Steuerzahlers?

Na klar, aber nicht in dem Sinne, dass man das Steuergeld leicht mit vollen Händen ausgibt. Zum einen reden unheimlich viele Instanzen mit, den Rahmen bestimmt das Parlament und zum anderen gibt es in jedem Bundesland einen Rechnungshof, der streng kontrolliert – von der Öffentlichkeit und den Medien ganz abgesehen. Auf der einen Seite haben wir eine überbordende Bürokratie, auf der anderen Seite verhindert sie aber nicht Kostenfehleinschätzungen. Manchmal muss man auch gegenüber „Experten“ vorsichtig sein. Schön ist aber, dass letztlich alles rauskommt.

Den Linken sagt man ja nach, sie könnten nicht mit Geld umgehen. Woher kommt das?

Tja, wir verteilen lieber etwas, als dass wir nachrechnen. Trotzdem, überall, wo die Linke mitregiert, werden eher Schulden der Vorgängerregierungen abgebaut, als neue gemacht und gleichzeitig wird dennoch mehr investiert und Soziales bei Kita-Beiträgen und Schülertickets erreicht. Wahrscheinlich geht der Ruf noch auf Karl Marx zurück, der den Kapitalismus zwar phantastisch analysiert hat, aber auch folgenden Satz über sich selbst sagte: „Eines Tages wird das Geld abgeschafft, ich kenne jetzt schon einen, der keins mehr hat.“ Außerdem: In den staatssozialistischen Ländern gab es keine frei konvertierbare Währung und im Vergleich zum Westen erheblich Produktivitätsrückstände. Aber es gab auch Menschen, die von Geld etwas verstanden, zum Beispiel Edgar Most, den letzten Vizepräsident der Staatsbank der DDR.

Was war das Teuerste, das Sie je gekauft haben?

Das war zweifellos mein Haus. Aber ich lebe gern in ihm.

Wie viel Geld tragen Sie bei sich?

Das ist unterschiedlich. Wenn meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Beispiel Geld brauchen, um Briefmarken zu kaufen, oder ich in einem Restaurant essen gehe, in dem nur Barzahlung erlaubt ist, dann ist es etwas mehr, wenn ich länger nicht an einem Geldautomaten vorbeikomme, ist es deutlich weniger. Abgesehen von Ausnahmen reicht es meist aber für eine Currywurst. Mit Brötchen.