Szene aus Gretel & Hänsel.
Foto: Orion Pictures Corporation

Berlin - Gretel (Sophia Lillis) schminkt sich. Der Spiegel eines Gewässers zeigt ihre mit einem dunklen Pflanzengemisch nachgekämmten Haare, die geschwärzten Wimpern und die leicht gefärbten Lippen. Es sind die ersten Schritte des Frauwerdens. Mit ihnen beginnt Oz Perkins’ Neuerzählung der Geschichte von Gretel und ihrem Bruder. Die nächsten, deutlich schmerzvolleren Schritte geht Gretel kurz darauf im Haus eines Adeligen, der weniger an ihren Diensten als Hausmädchen denn an ihrer Jungfräulichkeit interessiert ist. Gretel weist ihn zurück, und die Familie muss weiter hungern.

Hänsel (Samuel Leakey) versteht von alledem noch nichts. „Warum sind deine Lippen so seltsam gefärbt?“, fragt er verwirrt, bevor die Schwester ihn an die Hand nimmt und in das Zuhause zurückführt, das bald keins mehr sein wird. Damit beginnt das eigentliche Märchen, das der Film durch die zeitgenössische Brille betrachtet. Der Dreher im Titel ist nicht nur ein cleverer Marketing-Trick, der „Gretel & Hänsel“ aus Dutzenden Filmadaptionen und -variationen hervorhebt, sondern auch ein unmissverständlicher Hinweis darauf, dass Gretel die entscheidende Figur der Geschichte ist.

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