Über Griechenland sind in diesem Sommer zwei extreme Hitzewellen hinweggegangen. Fast 50 Grad wurden gemessen, Feuersbrünste folgten. Keine unglücklichen Einzelerscheinungen, sondern ein Blick in die nicht allzu ferne Zukunft in 20 oder 30 Jahren sei das gewesen, urteilen griechische Wissenschaftler. Zeichen für die Erhitzung der Erde, die euphemistisch Klimawandel genannt wird. Diese Wissenschaftler diskutieren nun darüber, solchen Hitzewellen Namen zu geben.

Bei anderen Klimaphänomenen ist das längst so, bei Tiefs und Hochs, bei Stürmen. Neuerdings bekommen sie in Deutschland auch Namen, die die Diversität der deutschen Gesellschaft widerspiegeln. Die Meteorologen der Freien Universität Berlin vergeben Wetterpatenschaften: Wer eine solche kauft, kann den Namen eines Hochs oder Tiefs bestimmen. Nun gibt es welche namens Erhan oder Cemal. Namen sind eben nicht Schall und Rauch. Ein Hoch kostet 299 Euro, ein Tief 199 Euro, die FU finanziert damit eine Wetterstation. Die Idee der Namensgebung für Wetterphänomene ist übrigens ziemlich alt, ein australischer Meteorloge hat im 19. Jahrhundert damit begonnen.

Eine Hitzewelle kann man nicht sehen noch hören

Was die griechischen Meteorologen mit den Namen für große Hitze erreichen wollen, kann man mit einem Wort zusammenfassen: Aufmerksamkeit. Eine Hitzewelle kann man nicht sehen noch hören. Sie ist kein Wasserstrudel, der Menschen mit sich reißt, kein Sturm, der Bäume umwirft und Hausdächer abdeckt. Hitze kann man nur spüren, sie quält und tötet still.

Sichtbar würde noch etwas anderes, wenn Hitzewellen künftig Namen tragen, ob die von Menschen oder den so menschenähnlichen griechischen Göttern. Würden sie Daphne oder Adonis heißen – es wäre ein Zeichen dafür, dass das Anthropozän längst angebrochen ist, das Zeitalter, in dem der Mensch das Erdsystem so tiefgreifend verändert hat, dass er zum geologischen Faktor wurde. Die Hitze, die Dürre, die Flut, der Sturm und der Mensch – sie sind nicht mehr voneinander zu trennen.