Das alte Fernsehzentrum in West-London, ein wuchtiger Betonring aus den Sechzigerjahren, ist bereits verkauft. Programme wurden abgespeckt, Mitarbeiter abgebaut. Aber all das hat den Kürzungszwang der BBC noch nicht gedämpft. Der Generaldirektor will nun den Sender BBC Three wegsparen. Es ist das erste Mal in der fast 80-jährigen Fernsehgeschichte der weltweit geachteten britischen Rundfunkanstalt, dass ein kompletter Kanal vom TV-Bildschirm verschwindet.

Zugegebenermaßen offeriert BBC Three ein Angebot, an dem sich die Geister scheiden: Der vor elf Jahren gegründete, auf ein junges Publikum ausgerichtete Sender hat Comedy-Serien wie „Little Britain“ und den romantischen Beziehungsklamauk „Gavin und Stacey“ hervorgebracht. Allerdings hat er auch TV-Fastfood wie „Knutschen, Heirat, aus dem Weg gehen?“ und „Ich bin eine behaarte Frau“ im Programm.

45 Millionen Pfund weniger

Diese tägliche Dosis Banalitäten könne das Publikum auch übers Internet beziehen, glaubt BBC-Generaldirektor Tony Hall, nach dessen Vorstellungen der Kanal künftig nur noch online, also nicht mehr terrestrisch oder über Kabel oder Satellit zu empfangen sein soll. Es sei eine „schwierige Entscheidung“, sagte Hall. „Wir haben nicht mehr genug Geld, all das weiterzuführen, was wir bisher machen.“ BBC Three müsse deshalb dahin gehen, wo sich die Zielgruppe der 16- bis 34-Jährigen aufhalte, die ihre Sendeinhalte zunehmend nach eigenen Vorlieben und Zeitvorstellungen auf mobilen Geräten abruft. Und eben nicht mehr jeden Abend vor der Kiste auf dem Sofa sitzt.

Der Umzug ins Internet, genauer gesagt auf die Abspielplattform BBCiplayer, bedeutet für den Kanal, dass er mit einem um 45 Millionen Pfund gekürzten Budget auskommen müsste. Derzeit hat BBC Three pro Jahr rund 75 Millionen Pfund (90 Millionen Euro) für seine Inhalte zur Verfügung; ein Teil der eingesparten Millionen soll in Filmproduktionen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt wie „Doctor Who“ oder „Sherlock“ fließen. Der Rest wird anderweitig gebraucht.

Die Dampf-Eisenbahn rollt weiter

Denn die Mittel sind knapp geworden bei „The Beep“, wie die Briten ihre British Broadcasting Corporation noch immer liebevoll nennen, die 1922 erstmals auf Sendung ging. Mit Amtsantritt der konservativ-liberalen Regierung vor vier Jahren wurde dem Sender der Geldhahn zugedreht: Die Rundfunkgebühren werden von 2010 bis 2017 um keinen Penny mehr erhöht: Sie sind auf der Insel mit umgerechnet 175 Euro pro Jahr ohnehin billiger als in Deutschland. Werbeeinnahmen hat die komplett werbefrei BBC nicht. Dennoch muss sie zusätzlich nun auch noch die Kosten für den BBC World Service übernehmen, die vorher vom Außenministerium getragen wurden. Effektiv belaufen sich die Kürzungen damit auf 16 Prozent.

Kritiker empören sich nun darüber, dass ausgerechnet die „Haarige Lady“ und das seichte Jux-und-Tollerei-Programm von BBC Three den Sparzwängen zum Opfer fallen - und nicht etwa der Kultursender BBC Four mit seinen Sendungen über „Schwanensee“ und das „Goldene Zeitalter der Dampf-Eisenbahnen“.