Vor Jahren noch war es so, dass ein angehender Medienjournalist erst dann von seiner Redaktion zur Berichterstattung über Gruner + Jahr (G+J) geschickt wurde, nachdem er sich beruflich bewährt hatte. Dem Verlag am Hamburger Baumwall mit seinen großen Magazinmarken, eigenwilligen Chefredakteuren und selbstbewussten Journalisten zollte die Branche Respekt. Heute, sagt ein G+J-Mitarbeiter, denke er oft, wenn er morgens durch die Drehtür ins Foyer des Verlags tritt: Was haben die nur aus diesem Haus gemacht?

Starke Marken, Qualität und unabhängiger Journalismus waren das Rückgrat von G+J. Mochten es andere Verlage mit der Trennschärfe zwischen Redaktion und Werbung nicht so genau nehmen – G+J blieb weitgehend sauber. Finanziell potent wie er war, hatte der Verlag so etwas nicht nötig und wusste um seine Verantwortung als Marktführer, der die Spielregeln vorgibt. Doch die Erlöse schrumpfen, der Kostendruck wächst und wird von ganz oben, von der Konzernmutter Bertelsmann in Gütersloh über den Vorstand in Hamburg in die einzelnen Redaktionen weitergegeben. Das hat Folgen. Von Sittenverfall und Kulturbruch ist die Rede. Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. G+J scheint sich die Moral nicht mehr zu leisten. Es geht ums Überleben.

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