Günther Jauch - fraglos ein ebenso sympathischer wie anständiger Kerl - hat sich alle Mühe gegeben, ein gesellschaftlich wie moralisch wichtiges Thema auf die Tagesordnung seiner Sendung zu setzen. Es ging um ausländische Arbeiter, die bei Amazon oder in der Fleischindustrie für Hungerlöhne schuften und in Letzterer, man muss es so sagen, wie Vieh gehalten werden. Gut gemeint ist freilich nicht gut gemacht. Die Sendung war jedenfalls ein Fehlschlag.

Das lag zum einen an der Fokussierung auf Verhältnisse, die nach Meinung aller Diskutanten kriminell sind. Wenn Leiharbeiter Stammbelegschaften nahezu ersetzen, wenn sie in Bruchbuden gehalten und nachts um zwei zur Arbeit aus dem Bett geholt werden, wenn man sie cash bezahlt und ihnen mit Gewalt droht, sollten sie sich wehren – dann ist das ein Fall für den Staatsanwalt. Darüber muss man in der Tat nicht lange streiten. Offenbar liegt hier in allererster Linie ein Kontrollproblem vor.

Das, worüber eine Debatte gelohnt hätte, nämlich der anschwellende und ganz legale Niedriglohnsektor, spielte allenfalls am Rande eine Rolle. Es war denn auch kein Wunder, dass der Versuch des FDP-Bundestagsabgeordneten Martin Lindner, aus der Konstellation ein bisschen Honig für den Wahlkampf zu saugen, fehlschlug. Er wollte auf das zwiespältige Verhältnis der Sozialdemokraten zur Agenda 2010 hinaus, in deren Folge eben dieser Niedriglohnsektor entstand. Doch der Schuss auf den möglicherweise nächsten SPD-Sozialminister Klaus Wiesehügel ging weit übers Tor. Denn Jauch mochte von der Agenda 2010 gar nichts wissen.

Die Sendung war aber auch deshalb ein Fehlschlag, weil es einem zentralen Gast an Sprechfähigkeit mangelte: Rainer Wagner, Präsident des Bundesfachverbandes Fleisch. Man weiß nicht, ob Absicht oder Unvermögen dahinter steckte – in jedem Fall besaß Wagner die Fähigkeit, die Verhältnisse so verschwiemelt darzustellen, dass sie unklarer statt klarer wurden („Das Problem hat in der Ursache eine andere Wurzel“). In seinem Verband dulde er die beschriebenen „Schweinereien“ nicht, behauptete der Lobbyist. Ohnehin sei das alles mehr oder weniger Sache der Politik. Wer so ausweicht, den kann man auch nicht haftbar machen.

Dass über etwas diskutiert wurde, was der Diskussion nicht bedurfte, schien übrigens weniger journalistische als ARD-interne Ursachen gehabt zu haben. Die ARD-Journalisten Diana Löbl und Michael Nieberg sind soeben mit Recherchen über ausländische Billiglöhner in Erscheinung getreten; Niebergs Dokumentation läuft am heutigen Montagabend. Da waren die Anstalts-Hierarchen augenscheinlich der Ansicht, man müsse mit diesen Eigen-Leistungen auch Jauchs Auslage schmücken. Dem Schicksal der betroffenen Menschen hat das vielleicht gedient – was zugegebenermaßen nicht wenig wäre. Dem Profil der Sendung diente es eher nicht.