Der bemerkenswerteste Beitrag der ganzen Diskussion kam von Tom Buhrow. Da war freilich die Debatte um „Wulff und die Amigos“ praktisch vorüber. In einer Liveschaltung nach Hamburg zu den Tagesthemen vermeldete Burow noch aus der Jauchschen Sendung heraus das Aus für den Oberbürgermeister von Duisburg. Adolf Sauerland wurde von den Bürgern seiner Stadt abgewählt. Nicht weil ihm ein Mitverschulden an den tragischen Vorfällen während der Loveparade von 2010 nun juristisch nachgewiesen werden konnte. Sondern weil die Duisburger mehrheitlich nicht mehr von einem regiert werden wollten, der sich bei der Beurteilung seiner Rolle auf juristische Feinheiten zurückzieht.

Über diesen Unterschied hatte die Runde bei Günther Jauch zuvor lange kontrovers diskutiert. Und war so wenig zu einem angemessenen Beurteilungsraster gekommen wie die Duisburger in den ersten Tagen, Wochen und Monaten nach den Todesfällen der Loveparade. Wenn Politiker wegen ihrer persönlichen Integrität ernstlich in die Kritik geraten, teilt sich mit einer gewissen Verlässlichkeit zunächst die öffentliche Meinung in zwei Lager: Die einen fordern eine staatsrechtliche Gleichbehandlung und also die laufenden Ermittlungen abzuwarten. Die anderen verweisen auf die besondere Würde öffentlicher Ämter, die schon durch den Anschein eines Vergehens beschädigt werde. Letztlich lassen sich beide Bewertungsmaßstäbe gut begründen, aber es ist eben nicht möglich, sie gleichzeitig anzuwenden. Man muss sich entscheiden: Beweispflicht oder Taktgefühl.

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