Berlin - Eine klare, sachliche Frage als Titel der Sendung: „Sind unsere Lebensmittel zu billig“, wollte Günther Jauch wissen. Aber ganz ohne Emotionen kommt eine Talkshow schon im Titel nicht aus. Deswegen gehört noch dazu: „Die Wut der Bauern“. Darüber diskutierten eine Politikerin (Renate Künast, Ex-Verbraucherministerin), eine journalistische Expertin, ein Professor der früher bei Aldi gearbeitet hat, ein Fleischgroßproduzent sowie der Landwirt Willi Schillings, der nicht nur einen Bauernhof betreibt, sondern auch eine Website im Internet, auf der er seiner Wut freien Lauf gelassen hat.

Von einer sachlichen Diskussion konnte allerdings keine Rede sein. Über weite Strecken nicht einmal von einer Diskussion. Denn die Anwesenden hätten glatt die Generalsekretäre der Parteien in der vorausgegangenen Berliner Runde zur Bremen-Wahl ersetzen können: Jeder wollte vor allem seinen Standpunkt formulieren. Was scherten ihn da die Argumente der anderen.

Die journalistische Expertin Tanja Busse versuchte immer wieder, abwechselnd allen anderen Teilnehmern (außer Renate Künast) zu widersprechen oder zwischen ihnen zu vermitteln. Hätte man ihrem rasenden Redefluss folgen können, wäre sicher auch eine Menge an Fakten und Zusammenhängen zu lernen gewesen, aber allein: Die Geschwindigkeit der Darbietung macht das Verständnis schlicht unmöglich.

Außer Renate Künast konnte es mit dieser Schnelligkeit keiner n der Runde aufnehmen. Die versammelten Herren trugen jedoch auf andere Weise zum (landwirtschaftlich gesprochen) mangelnden Ertrag der Sendung bei: Sie redeten munter durcheinander. Der Moderator versuchte gelegentlich dazwischen zugehen, aber ohne nachhaltigen Effekt, außer wenn seiner Intervention ein Einspielfilm folgte.

Keine Antworten auf Sachfragen

So lässt sich zusammenfassen: Die Verbraucher sind schuld, weil sie zu billig einkaufen wollen. Die Bauern sind schuld, weil sie zu viel Produzieren. Der Handel ist schuld, weil er zu viel verdienen will. Oder vielleicht auch umgekehrt. Zur Erinnerung, die Ausgangsfrage lautete: Sind unsere Lebensmittel zu billig?

Als klare Antwort blieb nach einer Stunde nur übrig: Derlei (Durcheinander-) Quasselshows mögen vielleicht, mit viel gutem Willen betrachtet, noch dazu taugen, unterschiedliche Meinungen klarzumachen – jedenfalls den Streit darum. Aber zur Klärung von Sachfragen sind sie das falsche Medium. Da wäre ein ruhig argumentierender Beitrag, der die verschiedenen Positionen darstellt und dessen Autor am Ende selbst Stellung bezieht, das bessere Mittel - auch wenn diese Empfehlung etwas betulich daher kommen mag.

Bauer Willi jedenfalls (so nennt er sich im Internet) beantwortete Günther Jauchs Schlussfrage, wie groß seine Hoffnung sein, dass sich für ihn noch etwas ändere, lakonisch, aber lächelnd: „Nach diesem Abend relativ gering.“ Und der Republik beliebtester Talkmaster äußerte noch die Hoffnung, dass man auch aus einer Sendung wie dieser noch etwas lernen könne. Zuversichtlich schaute er dabei nicht aus.