Am Dienstag blickten Feinschmecker mit Spannung nach Berlin. Und auch die Spitzengastronomen der Hauptstadt waren gespannt auf die Bekanntgabe der Guide-Michelin-Sterne 2019. In diesem Jahr gibt es erneut keine drei Sterne für Berlins Köche - aber vier spannende Newcomer mit einem Stern.

Aktuell gibt es in Berlin fünf Zwei-Sterne- und 17 Ein-Sterne-Restaurants. Wir stellen die 22 Restaurants in unserem Überblick vor:


Zwei Sterne

Lorenz Adlon Esszimmer, Unter den Linden 77

Die Tester schreiben: „Als wären das stilvolle Ambiente samt Blick aufs Brandenburger Tor sowie der kompetente und zugleich herzliche Service nicht schon niveauvoll genug, bietet man hier auf der Bel Etage mit klassisch-kreativer Küche einen Ausbund an Präzision und Liebe zum Detail.“ Hendrik Otto kocht europäisch inspiriert und mit besonderer Begeisterung für Saucen.

Rutz, Chausseestraße 8

„Beste Produkte kreativ und stimmig kombinieren, Aromen gekonnt zur Geltung bringen, den Gerichten eine eigene Note geben... Das setzt Marco Müller in seinem Inspirationsmenü eindrucksvoll um. Man sitzt in modernem Ambiente und lässt sich versiert in Sachen Wein beraten - sehr schön die Auswahl.“ Die Weinkarte mit 800 Positionen lässt keine Wünsche offen. Müller arbeitet eng mit Bauern zusammen, die ihn mit Produkten der Region versorgen.

Tim Raue, Rudi-Dutschke-Straße 26

Tim Raue ist der wohl bekannteste Berliner Sternekoch. Seine Lebensgeschichte inklusive Mitgliedschaft in einer Kreuzberger Jugendbande ist oft erzählt. Die Michelin-Tester finden: „Eines steht völlig außer Frage: Tim Raue hat seinen ganz eigenen, in Deutschland sicher einmaligen Stil! Man kocht klar strukturiert, kraftvoll und kontrastreich und bedient sich der großen asiatischen Küchen.“ Raue steht für asiatisch inspirierte Küche.

Horvath, Paul-Lincke-Ufer 44a

Sebastian Frank kocht kreative Gerichte, die eine Essenz der österreichischen Landküche darstellen, zum Beispiel  Kalbstafelspitz mit Spinat oder Marillenkerneis und kandierte Zwiebel. Im Gourmetführer heißt es: "Hier pflegt man seinen Stil, und der ist kreativ, reduziert, durchdacht. Sie wählen die Anzahl der Gänge, die ausdrucksstarke Küche des Österreichers Sebastian Frank erledigt den Rest. Und dazu mal eine alkoholfreie Wein-Alternative wie Radicchiowasser & Holunderblütenöl?“

Facil, Potsdamer Straße 3

Michael Kempf und sein Team servieren außergewöhnliche Aromakompositionen und vorwiegend regionale Produkte: „Angesichts des vielen Grüns, das man hier dank Rundumverglasung vor Augen hat, kann man schon mal vergessen, dass das modern-puristische Restaurant im 5. Stock liegt, und das direkt am Potsdamer Platz! Die Küche: kreativ, gelungene Kontraste, tolle Aromen. Der Service versiert und charmant.“ 


Ein Stern

2019 sind vier neue Restaurants mit einem Stern ausgezeichnet worden. 

Coda, Friedelstraße 47

Unter den 2019 neu besternten Häusern ist auch das Coda in der Neuköllner Friedelstraße – eine Dessertbar. René Frank serviert dort moderne Spitzenpatisserie ohne Weißmehl und Laktose, sogar weitgehend ohne weißen Zucker. Der gebürtige Allgäuer hat in Japan in Drei-Sterne-Lokalen gearbeitet und aus dieser Zeit viel Inspiration mitgenommen. Er kombiniert Elstar-Äpfel mit Sultaninen und Rauchsalz, oder Süßkartoffel mit Mango und Sauerrahm.

Ernst, Gerichtstraße 54

Das Ernst in der Gerichtstraße in Wedding darf sich 2019 über den ersten Stern freuen. Der Kanadier Dylan Watson-Brawn hat sein Restaurant 2017 eröffnet, um dort essen zu können, muss man Tickets kaufen. Und die sind heißbegehrt. Mit 17 Jahren heuerte der Kanadier als erster Nicht-Japaner in einem Drei-Sterne-Restaurant in Tokio an. Es folgten Stationen im legendären „Noma“ in Kopenhagen und im „Eleven Madison Park“ in New York. Watson-Brawn setzt auf frische Produkte aus der Region, viel Gemüse und wenig Fleisch.

Savu, Kurfürstendamm 160

Der finnische Ex-Sternekoch Sauli Kemppainen darf sich wieder über einen Stern freuen. Im Savu am Kudamm kombiniert er nordische, spanische und italienische Küche. Der Name steht im Finnischen für Rauch, aber auch für Wärme und Behaglichkeit. Und weil der Chef Finne ist, kocht er auch gerne mal Rentierroastbeef – jetzt auf Sterneniveau.

Kin Dee, Lützowstraße 81

Das Kin Dee, das „gut essen“ heißt, hat sich 2017 an der Potsdamer Straße angesiedelt, zwischen Prostituierten, Krankenhaus und Grundschule. Eine nicht wirklich einladende Gegend. Doch die kreative thailändische Küche hat die Feinschmecker angelockt. Küchenchefin Dalad Kambhu kocht Gerichte aus ihrer Heimat und Kindheit, sie mixt die thailändischen Gerichte mit Zutaten aus dem Umland. Mit ihren Geschmacksexperimenten hat sie jetzt den ersten Stern erkocht.

Folgende Restaurants dürfen sich schon länger über einen Stern freuen:

Pauly Saal, Auguststraße 11

In einer schick möblierten alten Turnhalle wird gehobene europäische Küche serviert, auch Leber Berliner Art steht auf der Karte.

Bandol Sur Mer, Torstraße 167

Raffinierte französische Küche an der umtosten Torstraße, wo äußerlich rein gar nichts nach Spitzengastronomie aussieht.

Einsunternull, Hannoversche Straße 1

"Eine Reise zurück zu den Ursprüngen der Natur", verspricht das Restaurant. Auf der Karte stehen eigenwillige Kreationen wie Barsch im Brackwasser und gesäuerter Kuhspargel.

Cookies Cream, Behrenstraße 55

Das angesagte Abendlokal verbindet Hinterhofcharme mit abwechslungsreicher vegetarischer Gastronomie. Das Cookies ist das erste vegetarische Restaurant, das auf Sterneniveau kocht.

Nobelhart & Schmutzig, Friedrichstraße 218

Das Besondere hier: Die Küche ist in den Gastraum integriert. Es gibt keine räumliche Trennung von Gästen und Personal, die Köche und Köchinnen können bei der Arbeit beobachtet werden.

Richard, Köpenicker Straße 174

Edles Restaurant mit französischer Gourmetküche und einer stilvollen Inneneinrichtung mit moderner Kunst.

Skykitchen, Landsberger Allee 106

Wohl das Sternerestaurant mit der besten Aussicht über die Stadt. Der Berliner Alexander Koppe serviert moderne Sterne-Küche auf französischer Basis mit asiatischen Noten.

Golvet, Potsdamer Straße 58

In diesem Sternelokal gibt es keinen Menüzwang - auch nicht alltäglich in der Spitzengastronomie. Jeder kann essen, worauf er Lust hat. Zur finessenreichen Küche gibt's einen Blick über den Potsdamer Platz.

Tulus Lotrek, Fichtestraße 24

Steinbutt, Ente und gegrillte Ananas: Im kneipenlastigen Kreuzberger Umfeld findet sich das Restaurant mit dem lautmalerisch uminterpretierten Namen des französischen Impressionisten Henri de Toulouse-Lautrec, der laut Aussage der Inhaber ein „großer Fresser“ gewesen sein soll.

5 – Cinco by Paco Pérez, Drakestraße 1

Das erste Projekt des katalanischen Sternekochs Paco Pérez außerhalb Spaniens wurde im November 2013 vom Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet.

Hugos, Budapester Straße 2

Anspruchsvolle Konzept-Menüs aus regionalen Produkten in stylishem Ambiente mit Blick über Berlin.

Bieberbau, Durlacher Straße 15

Das elegante Restaurant mit Kräutergarten serviert Speisen wie gebratenen Rochenflügel und Bamberger Hörnchen mit Staudensellerie. Der Gastraum des Bieberbau trägt die Handschrift des Bildhauers Richard Bieber.

Frühsammers Restaurant, Flinsberger Platz 8

In einer prachtvollen Villa mit Sprossenfenstern, gelegen auf dem Gelände eines Tennisclubs, wird kreative internationale Küche als 3- bis 5-Gang-Menü kredenzt. Sonja Frühsammer zeigt, dass Sterneküche nicht nur Männersache ist.