Das Manet-Meisterwerk „Marine, Temps d“orage“ wird bald im Tokioter National Museum of Western Art zu sehen sein.
Foto: Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 © Mick Vincenz

BernDie Japaner wollten – und die Schweizer durften – nach langem Abwägen und aufwendiger, gründlicher Provenienz-Forschung: Das Kunstmuseum Bern hat sich mit dem Tokioter National Museum of Western Art auf den Verkauf von Édouard Manets „Marine, Temps d“orage“ (Stürmische See), 1873, aus dem Legat Gurlitt geeinigt.

Zuletzt wurde Manets still-dramatisches Motiv einer wütenden See mit zwei wie verloren wirkenden Segelschiffen unter gefährlich grau dräuendem Schlechtwetter-Himmel als Leihgabe in der Ausstellung „The Matsukata Collection“ aus Anlass des 60-jährigen Jubiläums der Tokioter Museumsgründung gezeigt.

Bild stammt aus dem Erbe Gurlitts

Das Gemälde ist Bestandteil des Legats von Cornelius Gurlitt, dem 2014 gestorbenen Sohn des Händlers Hildebrand Gurlitt, einst Kunstbeschaffer in Hitlers Diensten, aber nach 1945 niemals behelligt. Cornelius Gurlitt, der bis zu seinem Tode den väterlichen Nachlass als Vermächtnis sah, hatte als Letzten Willen verfügt, dass die 2012 in seiner Münchner Wohnung entdeckten und zunächst unter NS-Raubkunstverdacht beschlagnahmte Sammlung von 1 500 Bildwerken der Klassischen Moderne und Alter Meister dem Kunstmuseum Bern übereignet werden.

Bis 2016 hatte die Bundesregierung eine Taskforce gegründet.Das Kunstmuseum Bern beauftragte nach Ankunft der Schenkung ein eigenes Forschungsteam, denn diese diffizile Morgengabe des Gurlitt-Sohnes machte dem Haus zunächst schwer zu schaffen. In Eile musste eine enorme Provenienz-Forschung bewältigt werden. Einige Bilder wurden an die Erben der zu NS-Zeit um ihren Besitz gebrachten jüdischen Sammler restituiert.

Symbolische Heimkehr von Manets „Stürmische See“

Manets „Stürmische See“, ein für einen Impressionisten ausgesprochen romantisches Motiv, wird nun dauerhaft in die Sammlung des Museum in Japans Hauptstadt eingehen. Es ist in gewisser Weise sogar eine symbolische Heimkehr aus Europa, denn das Bild geht auf die berühmte Matsukata Sammlung zurück, eine Privat-Kollektion, aus der Manets Werk während des 2. Weltkrieges, wohl im Jahr 1944, in Paris veräußert worden war. An einen Franzosen namens Gerard. Von da führt die Verkaufsspur zu Hildebrand Gurlitt.

Der NS-Raubkunstverdacht ist ausgeräumt. Aber dem einstigen japanischen Besitzer, aus dessen Nachlass, warum auch immer, das Gemälde eine Odyssee antreten musste und sechs Jahrzehnte lang im Schwabinger Versteck dahindämmerte, wird nun posthum Genüge getan. Für das mit diesem schwierigen Geschenk bedachte Kunstmuseum Bern ist dies  gewissermaßen auch eine erleichternde Geste. Und die ungenannte Kaufsumme dürfte weitere kostspielige Provenienz-Forschungen und Restaurierungsarbeiten an den teils durch schlechte Lagerung in den Gurlitt-Wohnungen lädierten Gemälden und Papierarbeiten deutlich unterstützen.