Wie das Lebens so spielt, bisweilen sogar nach dem Tode: Der Bildhauer Gustav Seitz (1906-1969), dieser freiwillig-unfreiwillige Wanderer zwischen zwei Welten in der Zeit des Kalten Krieges, zieht, 26 Jahre nach dem Mauerfall, postum sozusagen mit Sack und Pack zurück in den Osten, obwohl es im Jahr 1958 genau anders herum war.

Die Hamburger Seitz-Stiftung, die den gesamten Nachlass des großen Nachkriegskünstlers betreut, Ausstellungen macht und Preise vergibt, zieht sukzessive ins Märkische Oderland. Nach Trebnitz, nahe Neuhardenberg. Dort entsteht, in aller Stille, schon seit März in der Schloss-Remise ein Seitz-Centrum als Bildungseinrichtung. Und bald wird im umgebauten Waschhaus des Schlosses alles an den formgewaltigen Bildhauer erinnern, der welch ein Gleichnis, zuletzt einen „Geschlagenen Catcher“ schuf.

An Seitz lässt besonders auch dessen Käthe-Kollwitz-Bronze denken. Die wird soeben vorm Schloss aufgestellt, was man in Trebnitz im September feiern will (Ausstellung ab 12.9. Mo–So). Eine andere Version der Plastik steht schon lange auf dem Berliner Kollwitz-Platz, ist Wahrzeichen unweit der Stelle, an der einst das Kollwitz-Haus stand.

Gustav Seitz hatte – wie könnte man das übersehen – eine enge, formale wie inhaltliche, Bindung zum humanistischen Werk dieser Frau: Der gebürtige Neckarsulmer und einstige Gerstel-Meisterschüler war vehementer Kriegsgegner wie sie, obwohl er in Hitlers Wehrmacht dienen musste, was ihn in amerikanische Gefangenschaft brachte. Zurück in Berlin, formte er das „Totenmal für Weißwasser“. Dafür bekam er als einziger Bildkünstler in Weimar den Nationalpreis. Die Westpresse griff ihn wegen der Annahme an; bald wurde er wegen seiner Mitgliedschaft in der neugegründeten Ostberliner Akademie der Künste aus dem Lehramt an der TU Berlin entlassen, Aufträge blieben aus. Trotzig ließ er sich vom Verband Bildender Künstler der DDR aufnehmen. 1950 zog er nach Pankow.

Gerade mal acht Jahre hielt es den Idealisten im realen Sozialismus. Es wurde ihm eng, derweil er im Westen endlich Anerkennung bekam. Hamburg bot ihm eine Professur; 1958 zog er in die Hansestadt. Die Kollwitz-Statue war sein letzter Akt im Osten. Nun ist er wieder da.