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Am Montagabend war es Klaus von Dohnanyi, der deutliche Kritik an dem Guttenberg-Interview in der Wochenzeitung Die Zeit übte. „Ziemlich skandalös“, fand der frühere Hamburger Bürgermeister und SPD-Politiker, „was die Zeit mit dem Guttenberg da vorne auf der Seite gemacht hat“. Zu Guttenberg habe diese Aufmerksamkeit nicht verdient, sagte von Dohnanyi in der Talkshow „Unter den Linden“ auf Phoenix. „Ich finde, dass man das in einer seriösen Zeitung nicht machen durfte.“ Mit dieser Meinung steht der Politiker nicht alleine da.

Nach monatelangem Schweigen hatte Karl-Theodor zu Guttenberg dem Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo ein ausführliches Interview für ein Buch mit dem Titel „Vorerst gescheitert“ gewährt. Vor zwei Wochen erschien ein Vorabdruck in der Zeit – groß als Ankündigung auf der Titelseite mit demselben Guttenberg-Bild wie auf dem Buchcover und dann auf vier Seiten im Innenteil. Seitdem muss sich der Chefredakteur Fragen nach der journalistischen Unabhängigkeit gefallen lassen.

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So ließ es sich das Hamburger Magazin Stern nicht nehmen und brachte eine Woche darauf ebenfalls Guttenberg auf der Titelseite. „Ich schon wieder“, lautete die Schlagzeile, darunter stand: „Das misslungene Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg“.

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Doch auch schon vor der Zeit-Veröffentlichung gab es in der Redaktion interne Kritik, dass das Blatt mit dem Interview eine PR-Plattform für Guttenberg biete. Das sahen dann auch viele Zeit-Leser so und machten ihren Unmut deutlich. Hunderte Kommentare gingen auf der Website der Zeit ein. In der nächsten Ausgabe druckte die Wochenzeitung empörte Leserbriefe. „Pfui! Pfui! Pfui!“ ist die Doppelseite überschrieben, das Urteil der Leser reicht von „skandalös“ bis „unerträglich“.

Einige hundert Abo-Kündigungen

Angeblich soll es einige hundert Abo-Kündigungen wegen des Guttenberg-Interviews gegeben haben. Finanziell kann der Verlag das verschmerzen – die Zeit hat eine verkaufte Auflage von mehr als einer halben Million Exemplaren. Aber der Imageverlust ist gewaltig. Daran ändert auch wenig, dass der Zeit-Chefredakteur sein Honorar für das Buch nun spenden will.

Nachdem di Lorenzo sein umstrittenes Interview bereits auf Zeit Online zu erklären versuchte, rechtfertigte er sich in dieser Woche erneut – diesmal im Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Dabei klangen auch selbstkritische Töne an. Nach dieser Erfahrung würde er künftig „grundsätzlich überlegen, ob die Konstruktion so einer Kooperation sinnvoll ist“, sagte er dem Magazin.

Die Kritik an dem Interview bezeichnete er als „scheinheilig“, für ihn sei das Buch „Mittel zum Zweck“ gewesen, ein Exklusiv-Interview für seine Zeitung an Land zu ziehen, „für das … andere Kollegen durch den Ärmelkanal bis nach England geschwommen wären“. Außerdem habe die Zeit früher auch große Interviews mit Erich Honecker und Nicolae Ceausescu gedruckt. Was di Lorenzo nicht sagt: Auch davon waren die Leser damals nicht angetan. Und Karl-Theodor zu Guttenberg wird sich über diesen Hinweis auch nicht gerade freuen.

Aber gewiss doch darüber, dass die Startauflage des umstrittenen Interview-Buches bereits vergriffen ist. Di Lorenzo sei Dank.