Simon Unge wirkt etwas genervt, als er am Donnerstagabend für seine Follower ein neues Video aufnimmt: „Hallo Leute“, grüßt der 28-jährige Youtuber, „mein Twitter-Account wurde gehackt. Falls ihr mir auf Twitter folgt, klickt keine Links an.“ Dann räumt er noch kleinlaut ein, dass das Passwort Vegan123 wohl doch nicht so clever ausgedacht war. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass er offenbar gezielt ausgesucht wurde, um einen noch viel größeren Daten-Hack publik zu machen.

Auf der Nachrichten-Webseite T-Online berichtet ein Youtuber, der Täter habe den Account von Unge gehackt, weil dieser eine „ideale Reichweite“ habe. Falls dies wirklich der Plan war, ist er aufgegangen. Die Daten der gekaperten Accounts von vielen Prominenten wurden offenbar schon im Dezember veröffentlicht. Aufmerksam wurde die Öffentlichkeit aber erst nach Unges Tweet und Video.

Youtube wird zur eigenen Welt

Der 28-Jährige heißt eigentlich Simon Wiefels und ist ein typischer Millennial. Er hat nach eigenen Angaben mit zehn Jahren aufgehört fernzusehen und ist ins Internet abgewandert. Seit 2012 gehört er zu den prominentesten Youtubern Deutschlands. Er wurde mit sogenannten Let’s-Play-Formaten bekannt. Dabei werden Computerspiele wie „Minecraft“ oder „Fortnight“ vorgeführt, kommentiert und auf Live-Streaming-Portalen übertragen. Was für Ältere öde klingen mag, hat sehr schnell eine riesige Fangemeinde erobert. Seinen Videokanal „ungespielt“ haben 2,3 Millionen User abonniert. Auf Twitter folgen ihm fast zwei Millionen Menschen.

Mittlerweile hat sich Unge, der unlängst nach Portugal übergesiedelt ist, auf sogenannte Reaction-Videos spezialisiert. Darin kommentiert er die Beiträge und Events anderer Youtuber. So wird YouTube immer mehr zu einer eigenen Welt. Daneben nimmt er Videos auf, in denen er die Fans an seinem Leben teilhaben lässt. So fuhr er vor vier Jahren auf seinem Longboard quer durch Deutschland. Die täglichen Videos lud er auf seinem Kanal „ungefilmt“ hoch.

Beleidigungen und skurrile Vergleiche

Schlagzeilen machte Simon Unge Ende 2014, als er von einem Tag auf dem anderen verkündete, er werde seine Kanäle einstellen. Hintergrund waren Vertragsstreitigkeiten mit dem Youtube-Netzwerk Mediakraft Networks. Andere Youtuber verlängerten ihre Verträge mit Mediakraft ebenfalls nicht. Später arbeitete Unge mit der Influencer Marketingagentur Flow:Fwd zusammen, die im vergangenen Jahr von Webedia aufgekauft wurde.
Der gelernte Erzieher ist ein Schnellsprecher, der mit seinen Formulierungen auch mal danebengreift.

So gab es einen Streit mit dem Behindertenaktivisten Raul Krauthausen, der ihn dafür kritisierte, dass Unge das Wort „behindert“ als Schimpfwort verwendete. Später gab es ein gemeinsames Video der beiden zum Thema Behinderung. Im März 2018 entwickelte sich ein Disput mit dem ebenfalls sehr bekannten Youtuber LeFloid. Dieses Mal ging es darum, dass der überzeugte Veganer Unge das Töten von Tieren mit dem Holocaust verglich. Dieses Video wurde später gelöscht.