Die Youngblood Brass Band spielte im letzten Jahr im Club Mojo in Hamburg.
Foto: Reeperbahn Festival/ Florian Trykowski

HamburgDie globale Musik- und Veranstaltungsbranche wird ab Mittwoch gespannt nach Hamburg blicken. Das Reeperbahn Festival findet dort als bisher einziges Pop-Festival nach Corona über vier Tage in verschiedenen Räumen statt. Das hat sich bisher keiner im Popbereich getraut. Doch für die Veranstalter ist es ein Testballon, mit den zentralen Fragen: Lässt sich trotz Covid-19 Livemusik in kleinen und mittelgroßen Spielstätten erleben? Und: Lohnt sich der Aufwand?

Das Reeperbahn Festival ist europaweit das wichtigste Clubfestival für Popmusik. Es geht dort nicht nur darum, die nächsten großen Bands von morgen zu sehen, sondern auch darum, sich auszutauschen und weiterzubilden. Den Abschluss der Veranstaltung krönt jedes Jahr der Anchor Award, ein Preis für aufstrebende Musiktalente. Letztes Jahr kamen 50.000 Besucher zum Festival, es gab 1000 Konzerte, Kunst- und Literaturvorführungen sowie Fachkonferenzen an insgesamt 90 Orten rund um die Reeperbahn im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Dieses Jahr werden nur 8000 Besucher kommen dürfen. Festivalgründer Alexander Schulz rechnet mit rund 2500 Gästen pro Tag, verteilt auf 20 Spielstätten und rund 300 Veranstaltungen für Fachbesucher und die Öffentlichkeit. Anders als in den Vorjahren wird es nur 140 Konzerte geben.

Ohne Zuschuss kein Reeperbahn Festival

Für Musikfans und Branchenvertreter ist es trotz der Verkleinerung ein Glück, dass die Veranstaltung stattfindet. Für viele Betreiber lohnt sich ein Event unter der gewohnten Besucheranzahl nicht. Zahlreiche Veranstaltungen fielen deswegen aus oder wurden ins Netz verlagert.

Ohne Zuschuss könnten sich die Veranstalter das Reeperbahn Festival derzeit schlicht nicht leisten. „In einem normalen Jahr bekommen wir 600.000 Euro Unterstützung von Land und Bund. In diesem Jahr kriegen wir zusätzliche 1,3 Millionen Euro. Mit den reduzierten Ticketverkäufen und Partner-Einnahmen haben wir somit einen ungefähren Gesamt-Etat von 2,5 Millionen Euro“, sagte Schulz der „Hamburger Morgenpost“. Demnach sind 70 bis 80 Prozent davon Subventionen. „Kleine und mittlere Spielorte haben ihren Break-even meistens erst bei 80 bis 90 Prozent Publikumsauslastung. Gerade kann man wegen der Abstandsregeln aber nur 20 Prozent Auslastung umsetzen – und dann kommen noch die besonderen Pandemie-Kosten obendrauf.“

Schulz will während der vier Veranstaltungstage herausfinden, wie sich das Festival unter den strengen Corona-Regeln anfühlt, ob das alles Sinn mache. Wenn dem so sei, müssten Branche und Politik über weitere Schritte und Mittel nachdenken. „Live aufgeführte Musik ist eine die Gesellschaft stärkende, Werte vermittelnde und bereichernde Kunstform. Und ich habe keine Lust, sie zu verlieren.“

Das Reeperbahn Festival findet vom 16. bis 19. 9. statt. Tickets und weitere Infos unter: www.reeperbahnfestival.com