Katharina Grosse's installation "It Wasn't Us" im Hamburger Bahnhof.
  Foto: AFP/John MacDougall

BerlinDie opulente Farbenpracht, welche die Künstlerin Katharina Grosse unter dem Titel „It Wasn’t Us“ erst kürzlich im Hamburger Bahnhof in Szene setzte, sollte ein hoffnungsfrohes Signal für die Kunstwelt sein. In einer der ersten Ausstellungen, die trotz der anhaltenden Pandemie wieder möglich war, zeigte Grosse die ästhetische Kraft eines Kunstwerks im Raum, das zugleich über die räumlich gesetzten Grenzen hinausstrebte.

„It Wasn’t Us“ – der Titel hätte symptomatischer nicht sein können. Nun jedenfalls beginnt sich abzuzeichnen, dass Grosses Schau womöglich eine Art trauriges Finale für den über viele Jahre so attraktiven Hamburger Bahnhof einläutet. Laut eines Berichts der Welt am Sonntag ist der Ausstellungsort von der Schließung bedroht, sollte es der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nicht gelingen, das Grundstück und Gebäude vom Wiener Unternehmen CA Immo zurückzukaufen.

Die Nachricht besitzt eine enorme Sprengkraft für den Kunststandort Berlin, wenngleich sie nicht ganz überraschend kommt. Schon im Zusammenhang mit dem Rückzug des Sammlers Christin Flick aus Berlin waren die Besitzverhältnisse rund um den Hamburger Bahnhof in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. Die künftige Unterbringung der Sammlung Flick ist infrage gestellt, seit der Eigentümer seine Pläne kundgetan hat, die eher provisorischen Rieckhallen abreißen zu lassen und das Gelände neu zu entwickeln. Die Interessen einer staatlichen Kulturinstitution scheinen auf dem großen Berliner Immobilienmarkt da eher leichtgewichtig zu sein. Es wäre demnach die Geschichte einer Kette von Versäumnissen, in dem es der Bund offenbar unterlassen hat, ein Vorkaufsrecht wahrzunehmen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), so heißt es, sei nun um einen Rückkauf bemüht. Die Geschichte ist noch nicht beendet. Aber sie wird als Krimi um Grund und Boden fortgeführt, nicht als Geschichte der schönen Künste.