"Es ist klar, dass Leute wie er den Islam beleidigen und den Tod verdienen“, so Scheich Assem Abdel Meguid. Seine Stimme überschlägt sich vor Empörung über Hamed Abdel Samad. Der deutsch-ägyptische Schriftsteller ist das neueste Hassobjekt der radikalen Islamisten in Ägypten. Mehrere Webseiten fordern seinen Tod, und er selber ist inzwischen untergetaucht: Aus Angst, dass tatsächlich einer der Anhänger der radikalen Scheichs dessen Anweisung umsetzen könnte.

Den Zorn der Radikalen zog er auf sich, als er – auf Einladung des Vereins „die Säkularen“ – kürzlich in Kairo einen Vortrag mit dem Titel „der religiöse Faschismus“ hielt. Darin sagte er, dass der islamische Fanatismus nicht erst mit dem Aufkommen der islamischen Bewegungen im vergangenen Jahrhundert begann, sondern die Saat für Intoleranz und Unterdrückung bereits bei der Gründung des Islams durch den Propheten gelegt wurde. Ihm war klar, dass viele dies als Kriegserklärung verstehen würden.

Mit folgenden Worten begann er seinen Vortrag: „Erst einmal muss ich sagen, dass ich sehr froh bin, dass es jetzt möglich ist, über ein Thema wie den islamischen Faschismus in Ägypten zu referieren. Das war früher nicht möglich. Ich werde meine Meinung in aller Klarheit sagen, und wenn ich jemanden verletzen sollte, dann möchte ich mich schon jetzt entschuldigen.“

Die radikalen Scheichs stürzten sich dennoch auf ihn, er war für sie ein gefundenes Fressen. In Ägypten droht das islamische Experiment zu scheitern. Vor einem Jahr wurde mit Mohammed Mursi ein Mitglied der Muslimbruderschaft zum Präsidenten gewählt. Anhänger des politischen Islam sahen den ersehnten islamischen Staat zum Greifen nah. Doch scheitert die Umsetzung an der Unfähigkeit der Regierung. Wirtschaftlich und politisch steckt Ägypten in einer Krise. Nicht wenige haben darüber ihren Glauben an die islamische Gesellschaft verloren. Geht es nach der Opposition, soll der Jahrestag von Mursis Machtantritt auch sein letzter Tag in der Regierung sein. Für Ende Juni wird zu Großdemonstrationen aufgerufen.

Der Fatwa-Wahn der Radikalen – sie bedrohen inzwischen fast alle liberalen Intellektuellen und Politiker Ägyptens mit dem Tod – ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Sie beschwören die Bedrohung der Gesellschaft durch die ungläubigen Intellektuellen und wollen die Menschen so zur Verteidigung Mursis mobilisieren. „Ich fordere alle Männer Ägyptens auf, am 28. Juni zum Präsidentenpalast zu kommen, um unseren Führer zu beschützen!“, so Scheich Assem. Mit Abdel Samad hat das alles nichts zu tun, aber gefährlich ist es für ihn umso mehr.