Buchpremieren finden üblicherweise nicht unter Polizeischutz statt, aber am Sonntagabend parkte auf der Karl-Marx-Straße vor dem Heimathafen Neukölln ein Mannschaftswagen mit Polizisten in schusssicheren Westen, es gab eine Taschenkontrolle und im Saal Personenschützer mit Sendern im Ohr.

Das Buch heißt „Mohammed. Eine Abrechnung“. Über seinen Autor Hamed Abdel-Samad (43) ist vor zwei Jahren in seinem Heimatland Ägypten eine Fatwa verhängt worden, die seinen Tod fordert. Das war kurz nachdem er seine These vorgestellt hatte, die faschistoiden Tendenzen der Muslimbrüder würden in dem begründet liegen, was der Prophet Mohammed getan hat. Inzwischen lebt Abdel-Samad in Deutschland, steht unter Polizeischutz, hört jedoch nicht auf, sich kritisch und provozierend mit dem Islam auseinanderzusetzen. In Neukölln wurde er wie ein Popstar empfangen. Das Publikum jubelte und applaudierte minutenlang, als er in einem knalltürkisfarbenen Hemd unter der Anzugjacke auftrat.

In seinem neuesten Buch fertigt Abdel-Samad ausgehend vom Koran ein Psychogramm des Menschen Mohammed an, das den Religionsgründer als Narzissten mit Kontrollzwang und schwachem Selbstwertgefühl beschreibt. Dies führt Abdel-Samad vor allem darauf zurück, dass Mohammed als Kind vernachlässigt worden sei, die daher rührende Kränkung habe er damit kompensiert, dass er sich viele Frauen genommen und viele Kriege geführt habe. Die prophetischen Visionen habe er während epileptischer Anfälle gehabt. Belege dafür findet er in den Hadithen, den überlieferten Berichten von dem, was Mohammed sagte und tat.

„Der IS ist ein legitimes Kind von Mohammed“

Das sind interessante Gedankenspiele, hat aber auch etwas von Küchenpsychologie und erzählt wohl nicht zuletzt vom Bedürfnis eines einst Gläubigen, sich aus der Macht, die diese Religion über ihn hatte und hat, zu befreien, ja die Religion selbst zu befreien, sie zu modernisieren, also dazu zu befähigen, Kritik auszuhalten.

Was den Umgang mit Juden angeht, vergleicht Abdel-Samad Mohammed mit Hitler. Bei beiden sei die Vernichtung der Juden Teil ihres Heilsversprechens gewesen. Bis heute gebe es in der arabischen Welt ein positives Hitlerbild, „Mein Kampf“ sei ein Bestseller. Abdel-Samad fällt es auch leicht, eine Verbindung zwischen dem gewalttätigen Eroberer Mohammed und den Extremisten zu ziehen. „Der IS ist ein legitimes Kind von Mohammed.“ Applaus. Ob er keine Angst habe, von den Falschen vereinnahmt zu werden, fragte der Moderator. „Nein!“ Nur mit dem Koran in der Hand würden Menschen anderen den Kopf abschlagen.

Nun, die christlichen Kreuzzüge beriefen sich ebenfalls auf die Bibel. Das heißt, dass es eher auf die Praxis einer Religion ankommt, als auf das Wort in ihren heiligen Schriften, und da steht der Islam derzeit tatsächlich nicht besonders gut da. Erstaunlich, dass es gerade in Neukölln keinen Widerspruch gegen Abdel-Samads steile Thesen gab, aber das Publikum schien allein aus Fans zu bestehen. Vielleicht wagten sich die anderen angesichts der Überzahl nicht vor.