Das Haus ist nicht mehr. Das Gebäude natürlich schon, eine gewöhnliche Mietskaserne in Charlottengrad-Wilmersdorf. Nichts weist darauf hin, dass dort das Bordell meines Vertrauens war. Am Türschild stand zur Tarnung „Onlinemarketing & Werbung“, und drinnen ein, Zitat, Wohlfühlparadies, wo Ihre Träume Wirklichkeit werden aus bunten Gazevorhängen, Kunstfellteppichen und „Kuschelrock II“. Es roch nach Raumspray, dem Zigarettenqualm aus der verdreckten Küche, einer betäubenden Mischung eines Dutzend billiger Parfums und nach warmer, nackter Haut.

Ich erinnere mich an unseren Aufenthaltsraum, die durchgesessenen Sofas, den Schreibtisch der Hausdame mit dem Telefon und der Liste. Die Liste zum Sicheintragen, wann man wie lange in welchem Zimmer gearbeitet hatte. Wegen der Provision. Die Provision ging an die Chefin, eine geheimnisvolle alte Dame, die ich nie gesehen habe, denn sie war schwer krank und leitete das gesamte Geschäft vom Bett aus. (Wie allegorisch!)

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