Was ist das für ein buntes Doodle, das die Suchmaschine Google heute auf ihrer Startseite zeigt? Die moderne Collage von Patrick Bremer stellt ein Porträt der deutschen Dada-Künstlerin Hannah Höch dar, die heute vor 128 Jahren geboren wurde und ihr Leben in Berlin verbrachte. Höch gehört zu den Wegbereiterinnen moderner Kunst in Deutschland – und befreite sich auch in ihrem Privatleben von Konventionen.

Hannah Höch, die Dame des Berliner Dada

Hannah Höch, geboren am 1. November 1889 im thüringischen Gotha, starb im Mai 1978 in Berlin mit 88 Jahren. Sie hat die meiste Zeit ihres Lebens in Berlin gewohnt, an ihren Wohnhäusern in Friedenau und in Heiligensee erinnern heute offizielle Gedenktafeln an sie, ihr Grab auf dem landeseigenen Friedhof Heiligensee ist ein Ehrengrab des Landes Berlin.

1912 kam Höch nach Berlin und begann an der Kunstgewerbeschule zu studieren. Sie kam in Kontakt mit zeitgenössischen Künstlern und ging 1915 eine Beziehung mit dem verheirateten Künstler Raoul Hausmann ein. Durch ihn lernte sie die Dada-Szene Berlins kennen und entwickelte bald ihren eigenen Stil, den sie vor allem in sozialkritischen Collagen zeigte.

1920 machte sie sich endgültig einen Namen, als sie auf der „Ersten Internationalen Dada-Messe“ in Berlin ihre Montage „Schnitt mit dem Küchenmesser. Dada durch die letzte Weimarer Bierbauchkulturepoche Deutschlands.“ zeigte. Aus der damals populären „Berliner Illustrirten Zeitung“ hatte sie Fotos und Bilder von Kaiser, Kanzler und Technik-Elemente ausgeschnitten und zu einem bizarren Weltbild, dem Welt-Dada, zusammengefügt. Das komplexe Tafelbild wurde später zu einer Ikone des Dadaismus.

Beziehung zu einer Frau

Höch reiste zu Dadaisten in Europa, nach Prag, nach Paris, sie wurde zu großen Ausstellungen in der Sowjetunion und in Deutschland eingeladen, galt als Oberdadaistin im Berlin der "Goldenen Zwanziger". In dieser Zeit ging ihre Beziehung mit Hausmann in die Brüche, 1921 trennte sie sich endgültig von ihm. 1926 verliebte sie sich in die holländische Schriftstellerin Til Brugman, mit der sie bis 1936 zuerst in Den Haag und dann in Berlin zusammen lebte und arbeitete.

Die Nazis verachteten moderne Kunst und Hannah Höch zog sich für viele Jahre weitgehend in ihr Haus zurück, das sie im Berliner Ortsteil Heiligensee von einer Erbschaft erworben hatte. Während des Krieges versteckte sie dort ihre Kunstwerke und auch die ihrer Freunde. 1938 heiratete Höch den 21 Jahre jüngeren Kurt Heinz Matthies, vom dem sie sich 1944 scheiden ließ.

Nach dem Krieg stellte sie bald wieder Bilder und Collagen aus, 1948 nahm sie an der großen Dada-Retrospektive im Museum of Modern Arts in New York teil. 1965 wird Hannah Höch an die Akademie der Künste Berlin berufen, zahlreiche Ausstellungen auf der ganzen Welt festigen ihren Ruf als „Dame des Dada“. 1977 erhielt sie eine Ehrenprofessur von der Stadt Berlin. Am 31. Mai 1978 starb Hannah Höch im Alter von 88 Jahren in Berlin, ihr Grab auf dem landeseigenen Friedhof Heiligensee gehört zu den Ehrengräbern des Landes Berlin.

Hannah-Höch-Haus in Heiligensee

Ihr Haus in Heiligensee hatte Hannah Höch dem Bezirk vererbt, der sich verpflichtete Gebäude und Garten in der ursprünglichen Form zu erhalten. 2005 erwarb es der bildende Künstler Johannes Bauersachs. Heute steht das Anwesen unter Denkmalschutz, ein Verein kümmert sich um Erhalt und Pflege. Beides umfasst neben Haus und Atelier auch den Garten, in dem die Künstlerin über 40 Jahre lang mit 800 Pflanzen einen „Collagen-Garten“ schuf, der bis heute bewahrt werden konnte.

Hannah-Höch-Preis des Landes Berlin

Nach ihr benannt ist der seit 1996 vom Land Berlin vergebene und mit 15.000 Euro dotierte Hannah-Höch-Preis für ein hervorragendes künstlerisches Lebenswerk, zuletzt erhielt ihn die Berliner Künstlerin Cornelia Schleime.

Mehr zum Hannah-Höch-Preis des Landes Berlin

Internetseite des Hannah-Höch-Haus-e.V.