Wien - Letzten Donnerstag hatte er noch in seinem Wiener Seniorenheim den 98. Geburtstag gefeiert, unter Lockdown-Bedingungen still und beschaulich, aber dennoch mit Freude, wie Hans Staudachers langjähriger Galerist und Freund Ernst Hilger berichtet. In der Nacht zu Sonntag ist Österreichs letzter Dadaist und Art-Informel-Künstler der Nachkriegszeit friedlich eingeschlafen.

Die alte, so berühmte wie berüchtigte Avantgarde der Dadaisten aus dem Zürcher Cabaret Voltaire 1916/17 um Hugo Ball und Tristan Tzara hatte den gebürtigen Kärntner – er stammte aus St. Urban am Ossiachersee – schon früh inspiriert. Das Malen klassischer Landschaften und Porträts – diese Bilder befinden sich ausschließlich im Familienbesitz – ließ er bald sein. Er, der keine Akademie besucht hatte, beschloss, fortan „gegen den Strom“ zu schwimmen. Er schloss sich den Wiener Sezessionisten an, die dem Akademismus und aller stilistischen Vereinnahmung trotzten. Zeitlebens bezeichnete Staudacher sich als einen „Kritzler“, der die Motive eher „zerlegte“, als sie zusammenzufügen. Er experimentierte mit Holz und Lumpen, veranstaltete schon erste Happenings, wie sie später für die weit provokanteren Wiener Aktionisten typisch waren.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.