Barack Obama in einer Video-Konferenz. 
Foto: Imago Images/Obama Foundation

Barack Obama (58) und Donald Trump (74) haben nicht viel gemeinsam – bis auf solche Allgemeinplätze wie, dass beide als Politiker zu bezeichnen sind und sie es in das höchste politische Amt der USA geschafft haben, den beinahe allmächtigen Potus-Job. Als Präsident der Vereinigten Staaten darf man sich der öffentlichen Aufmerksamkeit sicher sein, und so war es auch am Sonntag, als Trump seinen Geburtstag feierte. Doch in die Gratulantenschar mischten sich am diesem 14. Juni doch einige interessante Zwischentöne, womit wir auch wieder beim Amtsvorgänger Obama wären: Anstatt Trump zu feiern, kaperten viele Nutzer auf Twitter diesen Anlass für ganz andere politische Zwecke, indem sie Obama mit dem Hashtag „All Birthdays Matter“ ehrten.

In der Folge machten die verschiedensten Redewendungen die Runde, etwa „Obama Day, 14. Juni“, „Obama Appreciation Day“, „Obama Day USA“ oder ein schlichtes „Happy Birthday Obama“ – ungeachtet der Tatsache, dass der so Angesprochen am 4. August Geburtstag hat. Einige Prominente schlossen sich dem Twitter-Trend an, darunter George Takei, Ken Jeong und William Baldwin. „Ich würde Donald an seinem besonderen Tag alles Gute zum Geburtstag wünschen, aber letzten Endes #AllBirthdaysMatter“, schrieb Takei. Später fügte er hinzu: „Oh, wie sehr Sie vermisst werden, Herr Präsident. Was vermisst ihr am meisten an Barack Obama, Freunde? #ObamaDayJune14“. Baldwin veröffentlichte ein für Trump nur wenig schmeichelhaftes Video …

So kochen auf Twitter alle ihr Süppchen. Der Hashtag „All Birthdays Matter“ verweist auf den umstrittenen Satz „All Lives Matter“ – mit ihm, also einem formalen Gleichstellungsgebot, spricht die politische Rechte in den USA der Bewegung „Black Lives Matter“ jedwede Legitimation ab. „All Lives Matter“ wird normalerweise verwendet, um die Unterstützung für die politischen Anliegen der Schwarzen abzulehnen. Ein perfider Trick, jetzt wurde das Thema zurückerobert.

Barbra Streisand (78) ist als politische Aktivistin bekannt. Dabei setzt sich die Schauspielerin vor allem für Bürgerrechte ein. Jetzt soll sie nach Presseberichten der Tochter des getöteten Afroamerikaners George Floyd eine größere Menge an Aktien des Disney-Konzerns geschenkt haben. Mehrere US-Medien gingen auf die großzügige Geste Streisands ein und bezogen sich auf einen Instagram-Post auf dem mutmaßlich offiziellen Account von Gianna Floyd. Dort ist das sechs Jahre alte Kind mit einem Brief zu sehen, daneben steht der Kommentar: „Danke @barbrastreisand für mein Paket. Dank Dir bin ich jetzt eine Disney-Aktionärin.“ Wollen wir hoffen, dass hier keine Fake-News in die Welt gepustet wurden.

Politik in den sozialen Netzwerken ist ein prekäres, hochvolatiles Geschäft. Wie auch immer. Die Aktien von Streisand wären nicht die erste Spende an die Tochter von George Floyd. Rapper Kanye West (42) hat einem CNN-Bericht zufolge einen Ausbildungsfonds eingerichtet, um die Schulausbildung des Mädchens zu bezahlen.

Selena Gomez (27) hat der Aktivistin Ruby Bridges (65) für einen Tag ihr Instagram-Konto überlassen. Die Sängerin stellt damit ihre Plattform mit 180 Millionen Followern zur Verfügung, um die Bürgerrechtlerin von ihrem ersten Schultag 1960 in New Orleans erzählen zu lassen: Das Mädchen wurde in diesem Jahr zu einem der ersten Afroamerikaner, die im Süden der USA vor dem Ende der Rassentrennung auf eine ansonsten nur von Weißen besuchte Schule gehen konnte. Bilder auf dem Instagram-Konto zeigen die Sechsjährige wie sie unter Polizeischutz und beschimpft von weißen Anwohnern aus der Schule ging. Dort wurde sie ganz allein unterrichtet, da alle anderen Eltern ihre Kinder aus Protest auf andere Schulen schickten. Auch fand sich nur eine Lehrerin, die die kleine Ruby unterrichten wollte.

Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd Ende Mai in Minneapolis und den folgenden landesweiten Protesten in den USA gegen Rassismus und Polizeigewalt hatte Gomez, eine der bekanntesten und reichweitenstärksten Sängerinnen in den Staaten, wiederholt Aktivisten auf ihrer Plattform zu Wort kommen lassen. „Nachdem ich darüber nachgedacht hatte, wie ich meine sozialen Medien am besten nutzen kann, entschied ich, dass wir alle mehr von schwarzen Stimmen hören müssen“, schrieb sie dazu Anfang Juni auf Instagram.