Keine Experimente: Die neue "Harald Schmidt Show", die nächsten Dienstag auf dem Bezahlsender Sky startet, ist mehr oder minder die alte - ein bisschen Comedy, ein bisschen Stand-up-Comedy, ein paar prominente Talkgäste und und natürlich seine Band.

Zwar hatte Schmidt zuletzt bei Sat.1 alles andere als Traumquoten zu verzeichnen, und in den USA laufen den Late-Night-Größen wie David Letterman und Jay Leno die Zuschauer davon. Am Konzept ändern will Schmidt trotzdem nichts. „Das wäre ja als ob sie zur Kirche gehen und fragen, ob die Liturgie geändert wird“, antwortete Schmidt auf die Frage nach Neuerungen: „Die Schmidt-Show bleibt wie sie ist, wird sich inhaltlich mit den Themen ändern. Aber die Show bleibt genau die Show, die sie ist.“

So ganz vertraut der Mann, der einst sich selbst genug war, aber offenbar doch nicht auf die alten Stärken. Einst stellte die ARD ihm Blödel-Jungspund Oliver Pocher zur Seite, um jüngere Zuschauer zu gewinnen. Dieses Konzept wird nun auf die Spitze getrieben: Künftig soll ein ganzes Septett aus Fernsehgrößen dem großen Meister assistieren. Außer Comedy-Urgestein Olli "Dittsche" Dittrich und Schmidts liebster Französin Nathalie Licard sind das vor allem TV-Gesichter, die sich beim jungen Publikum großer Beliebtheit erfreuen.

Mit dabei ist zum Beispiel der einstige MTV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf, der derzeit vor allem als Hälfte des TV-Duos Joko & Klaas präsent ist. Auch Moderatorin Mirjam Weichselbraun, die eine der sieben wechselnden Sidekicks ist, startete ihre Karriere bei MTV. Zur Garde der jungen Schmidt-Helfer gehört außerdem der Komiker und Schauspieler Pierre M. Krause, der mit seinen TV-Helden den Deutschen Fernsehpreis gewann, die Schauspielerin Stefanie Stappenbeck, bekannt geworden als Polizeiruf-Kommissarin und Mann-Tochter in "Die Buddenbrooks" sowie die "Ladykracher"-Mimin Judith Richter.

Brieftaube statt Twitter

Bei einem trotz des noch recht jungen Alters hoch prämierten und erfahrenen Ensemble kann es sich der 55-jährige Schmidt leisten, auf Social Media-Elemente zu verzichten, die andere Sendungen so gern nutzen, in der Hoffnung, jüngere Zuschauer zu erreichen. „Twittern ist für mich der verzweifelte Versuch alternder Menschen zu zeigen, dass sie mit der Technik mitgehalten haben“, sagt Schmidt denn auch. „Ich bin da altmodisch und setze lieber auf die Brieftaube."

Produziert wird die Show wie bisher von der Firma, die Schmidt gemeinsam mit dem früheren Sat.1-Programmchef Fred Kogel betreibt. Der gab seinem früheren Sender, der Schmidts Show im April abgesetzt hatte, zum Neustart gleich noch einen mit: „Als Marktbeobachter erschließt sich mir nicht, ob man Sat.1 tatsächlich noch als große Kraft im deutschen Fernsehen erhalten will", sagte Kogel dem Branchenmagazin W&V. Und fügte hinzu: „Es gab immer ARD, ZDF, RTL und Sat.1 - und im Moment droht Sat.1 ernsthaft aus diesem relevant Set herauszufallen.“

Die erste Sendung läuft am 4. September, von da an ist die "Harald Schmidt Show" dienstags bis donnerstags um 22.15 Uhr auf Sky Hits sowie um 23.00 Uhr auf Sky Atlantic HD zu sehen. Wer den neuen alten Schmidt sehen will, muss allerdings üblicherweise 34 Euro im Monat für das Sky-Filmpaket berappen. (mit dapd)