Harold Ramis: Eine Art Yoda des amerikanischen Humors

Am bekanntesten sind wohl seine Geisterjäger-Komödien, die munteren „Ghostbusters“-Filme, und sein kurioses Wiederholungswahnspektakel „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Aber auch in der amerikanischen Comedy-Szene nahm Harold Allen Ramis eine Schlüsselrolle ein. Dabei blieb der Autor, Filmregisseur und Schauspieler, der am Montag im Alter von 69 Jahren an den Folgen einer Autoimmunkrankheit verstarb, gern im Hintergrund. Harold Ramis war einst Teil der kleinen komödiantischen Revolte der 1970er-Jahre mit ihren schrägen, zotigen, aber auch hintersinnigen Scherzen. Und sein Aufstieg und seine Karriere in Hollywood dürfen durchaus als beispielhaft gelten.

Geboren und aufgewachsen war er in Chicago. Mitte der 1960er-Jahren arbeitete Ramis dort als freier Kulturjournalist für eine Lokalzeitung; später schrieb und redigierte er nicht selten schlüpfrige Witze für das Herrenmagazin Playboy. Als Autor und Darsteller war Harold Ramis aber auch lange ein Mitglied der wegweisenden Comedy-Truppe Second City. Mit seinen Kollegen John Belushi und Bill Murray wechselte Ramis dann 1974 nach New York City zum Humor-Kombinat „National Lampoon“. Nach Bühnenauftritten, Radio- und Fernseh-Arbeiten gab er mit „National Lampoon’s Animal House“ („Ich glaub’, mich tritt ein Pferd“, 1978) seinen Kino-Einstand – allerdings nur als Drehbuchautor, denn der Regisseur John Landis hatte die Rolle des Party-Strategen Boon, die Ramis eigentlich für sich selbst geschrieben hatte, anderweitig vergeben.

Das sorgte damals für Ärger, motivierte Harold Ramis aber letztlich, eine aktivere Rolle hinter der Kamera zu spielen. 1980 gab er mit „Caddyshack“ sein Debüt als Filmregisseur. Und bei Ivan Reitmans Militärsatire „Stripes“ („Ich glaub’, mich knutscht ein Elch“, 1981) war er nicht nur Scriptautor, sondern an der Seite seines Freundes und Mitstreiters Bill Murray auch der Hauptdarsteller. Der ganz große Durchbruch folgte für ihn vier Jahre später: „Ghostbusters – Die Geisterjäger“, eine Geschichte über ein paar überdrehte Parapsychologen, die nach dem unseligen Abgang von der Uni ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, war eine Herzensangelegenheit für Harold Ramis, Bill Murray, Dan Aykroyd und Ivan Reitman. Trotz einer mittelmäßigen Fortsetzung (1989) gilt die Fantasy-Komödie bis heute als Kultfilm und Ramis’ Rolle des stocknüchternen Wissenschaftlers Egon Spengler als sein bemerkenswertester Auftritt.

Harold Ramis feierte später weitere Erfolge – seine Komödien „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (1993) und „Reine Nervensache“ (1999) wurden veritable, strahlkräftige Kinohits. Doch selbst in Flops wie der Klon-Komödie „Multiplicity“ („Vier lieben dich“, 1996) blitzt Ramis' entfesselter Humor immer noch auf. Für viele junge Regie-Kollegen wie etwa Judd Apatow, Jay Roach oder Peter Farrelly war er ein Vorbild. John Landis, sein Gegenspieler von einst, bezeichnete ihn im Branchenblatt Variety als „eine Art Yoda“ des amerikanischen Humors: „Sein Fußabdruck in der Comedy ist gewaltig“, schreibt Landis, „(sein Tod) macht mich wirklich sehr traurig.“