Harrison Ford setzt beim Kampf für die Umwelt lieber auf wissenschaftliche Erkenntnisse als auf ideologische Haltungen.
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Beverly Hills - Die ersten Jahre seiner Karriere musste sich Harrison Ford als Tischler, Roadie und – wie man sich erzählt – Haschisch-Dealer durchschlagen, weil sich trotz kleiner Rollen der Durchbruch nicht einstellen wollte. Heute kann kaum ein Schauspieler auf so viele legendäre Rollen zurückblicken wie der gebürtige Chicagoer. Als Han Solo in „Krieg der Sterne“ und den Fortsetzungen wurde er zum Star, später stand er als Indiana Jones und in „Blade Runner“ vor der Kamera, aber auch in Kassenhits wie „Air Force One“ oder „Schatten der Wahrheit“. Eine Oscar-Nominierung gab es für „Der einzige Zeuge“, später Ehrenpreise fürs Lebenswerk bei den Golden Globes oder Festivals in Locarno und Zürich. Aktuell ist er in der Jack-London-Adaption „Ruf der Wildnis“ auf der Leinwand zu sehen.

Wir trafen den 77-jährigen, der in dritter Ehe mit seiner Kollegin Calista Flockhart (55, „Ally McBeal“) verheiratet ist, in Beverly Hills zu einem – wie immer bei Ford –abwechselnd mal launigen, mal grummelig-brüsken Gespräch.

Mr. Ford, Jack Londons Roman „Ruf der Wildnis“ stammt aus dem Jahr 1903. Warum macht eine Verfilmung heutzutage Sinn?

Zum einen ist das Buch einfach ein Klassiker, seit seinem Erscheinen nie vergriffen, sondern immer wieder neu aufgelegt. Zu meinen Schulzeiten war es Pflichtlektüre, schon damals habe ich es gerne gelesen. Und daran hatte sich nun nichts geändert, denn da werden wichtige Themen verhandelt.

Harrison Ford als John Thornton in einer Szene des Films "Ruf der Wildnis".
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An Relevanz hat die Geschichte – Jack London beschreibt aus der Sicht eines Hundes das harte Leben zur Zeit des Klondike-Goldrausches Ende des 19. Jahrhunderts in Alaska – also nichts eingebüßt?

Schauen Sie sich doch einmal das Leben an, das wir leben. Den Schlamassel, in dem wir uns befinden, unseren politischen und gesellschaftlichen Alltag. Das, was wir der Natur antun – reicht das nicht als Relevanz?

Den Ruf der Wildnis, also der Natur, haben Sie schon lange gehört, oder?

Das kann man so sagen. Ich kämpfe schon lange für die Natur, für ihren Schutz und Erhalt. Es gibt kein größeres Geschenk als all den Überfluss, den sie uns schenkt, aber es liegt an uns Menschen, dass das auch so bleibt. Zu unserem eigenen Besten.

Mal ganz naiv gefragt: Wie lässt sich denn die Natur noch retten?

Wie sie sich retten lässt? Nun, zunächst einmal kommt es darauf an, dass wir der Wissenschaft vertrauen und die Antworten auf das Rätsel des Lebens nicht in irgendwelchen Ideologien suchen. Denn dann ziehen wir nicht am gleichen Strang, sondern werden durch ideologische Grabenkämpfe getrennt. Der gemeinsame Nenner ist immer die Wissenschaft – und es ist so schmerzhaft wie lächerlich, mit anzusehen, wie sie heutzutage teilweise verunglimpft wird. Und zwar nur, um den Status quo zu erhalten. Da befinden wir uns aktuell in einer verdammt schwierigen Lage. Aber ich bin mir sicher, dass wir da wieder hinausfinden.

Haben Sie einen Favoriten, wer diese Aufgabe politisch übernehmen soll? Oder anders formuliert: Wer soll es Ihrer Meinung nach bei der nächsten Wahl mit Trump aufnehmen?

Das geht Sie gar nichts an. Aber insgesamt wünsche ich mir natürlich, dass der Kandidat oder die Kandidatin für die Demokraten antritt, der oder die Trump schlagen kann. So einfach ist das. Im Moment ist die Situation ein wenig chaotisch, auch bei der Kandidatenfindung. Aber aus Chaos kann mitunter etwas sehr Gutes entstehen.

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Zur Person

Sein Privatleben hält Harrison Ford weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Dennoch sorgte seine Verbindung mit der „Ally McBeal“-Darstellerin Calista Flockhart (Foto) für einiges Aufsehen. Ford hat aus seinen drei Ehen vier Söhne und eine Tochter.

Als begeisterter Flieger und Umweltschützer ist der US-Schauspieler ebenfalls bekannt. Vor fünf Jahren überlebte er eine Notlandung mit einem selbst gesteuerten Kleinflugzeug.

Sehnen Sie sich manchmal zurück in einfachere, bessere Zeiten?

Es war ja gar nicht immer unbedingt einfacher. Und nostalgisch bin ich kein bisschen. Die Vergangenheit ist mir wichtig und wertvoll, aber insgesamt bin ich ein Mann der Gegenwart. Sentimentalität bezüglich dessen, was früher war, bringt nicht viel, denn es ist nun einmal vergangen. Viel wichtiger ist es, die eigenen Energien aufs Hier und Jetzt zu verwenden.

Um jetzt einmal auf „Ruf der Wildnis“ zu sprechen zu kommen: Sind Sie ein Hundemensch?

Diese dreckigen kleinen Biester (lacht). Quatsch, ich liebe Hunde natürlich. Ich habe mein Leben lang immer Hunde besessen. Im Moment sind es drei. Und die dürfen sogar in meinem Bett schlafen.

Für den Film standen Sie nun allerdings gar nicht mit einem echten Hund vor der Kamera, denn Buck ist komplett computergeneriert. War das nicht seltsam?

Ach, auch nicht seltsamer als vieles andere bei einem Filmdreh. Ich hatte meinen Kollegen Terry Notary an meiner Seite, der quasi der Platzhalter für Buck war. So zu tun als sei er ein Hund, fiel mir nicht allzu schwer. Beim Film ist doch letztlich fast alles eine Illusion, man verkleidet sich und tut als ob. Diese kindliche Seite meines Berufes weiß ich durchaus zu schätzen.

Sie hatten schon einmal eine ikonische Leinwandfreundschaft mit einem nicht-menschlichen Partner. Haben Sie Parallelen entdeckt zwischen Buck und Chewbacca?

Kein bisschen. Die Geschichten, die da erzählt wurden, und die Funktion der Figuren innerhalb dieser Geschichten lassen sich nicht vergleichen. Chewie ist eine ganz besondere Filmfigur, die nicht nur mir, sondern vor allem vielen Fans viel bedeutet. Peter Mayhew, der wunderbare Mann, der ihn früher gespielt hat, ist letztes Jahr leider gestorben. Ich vermisse ihn. Schon emotional gesehen gab es da bei „Ruf der Wildnis“ also nicht wirklich etwas, das mich an Chewie denken ließ.

Wo wir gerade bei „Star Wars“ sind: Im jüngsten Film „Der Aufstieg Skywalkers“ hatten Sie einen letzten kleinen Gastauftritt. Womöglich doch aus Nostalgie?

Nein, nein, wirklich nicht. J.J. Abrams hat mich einfach gefragt – und ich habe nicht lange überlegt. J.J. ist ein netter, kluger Typ. Und Han Solo war gerade zuletzt ja immer ein bisschen für die Würde und den emotionalen Unterbau der Geschichte zuständig. Ich hatte insgesamt nicht den Eindruck, dass es zu dieser Figur noch wirklich etwas zu erzählen gäbe. Aber dieser kurze Moment im letzten Film erschien mir keine unpassende Idee.

Auch schon wieder 36 Jahre her: Ford in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“.
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Demnächst werden Sie eine weitere Rolle Ihres filmhistorischen Vermächtnisses wiederaufleben lassen: Indiana Jones kehrt zurück...

Vermächtnis! Das ist auch so ein Wort, das mich nicht interessiert. Damit kann ich nichts anfangen. Aber ja, Spielberg und ich drehen einen neuen „Indiana Jones“-Film. Und anders als Han Solo wird er nicht sterben. Aber weitere Details zum Plot gehen Sie ungefähr so viel an wie meine politische Einstellung (lacht).

Aber wie bald wird denn gedreht?

Tja, das ist gerade noch alles recht kompliziert bei diesem Film. Wir kämpfen gerade mit ein wenig Treibsand, um es mal so auszudrücken. Aber unsere Pläne sind ambitioniert und wir hoffen, so bald wie möglich mit der Produktion beginnen zu können. Lange ist es wohl nicht mehr hin!