Und es geht doch: Nachdem sich Frank Plasberg letzte Woche mehr oder weniger erfolgreich mit Gottschalk durch seine Sendung gekämpft hatte, gab es gestern eine interessante und gut strukturierte Ausgabe seines ARD-Talks. Plasberg war nicht nur als Moderator top, nein die ganze Sendung wurde ihren Ansprüchen mehr als gerecht.

„Die letzte Chance, die man hat, ist, an die Presse zu gehen und wenn man Glück hat, kümmert sie sich, wenn nicht, nicht." Eugen Ordowski hatte Glück, zumindest in dieser Hinsicht. Bei RTL hat er bereits über seinen zu früh geborenen Enkel gesprochen, bei dem durch einen schrecklichen Fehler beide Augen verätzt wurden; in der Bildzeitung war er zu lesen und gestern nun stand er bei Plasberg. Der griff den Fall in seiner Sendung auf, die in die aktuelle Debatte um Krankenhaus- und Ärztefehler passt: „Tabuthema Ärztepfusch – wer hilft den Patienten?“  hieß es am Montag bei  „Hart, aber fair“. Geladen waren Betroffene, ein Anwalt für Medizinrecht, Vertreter aus der Politik und ein Vorstand aus der Bundesärztekammer. Hart waren die Fakten, nicht ganz fair war, dass man die vermeintlichen Verantwortlichen nicht an den Tisch geholt hatte. Denn dass es vor allem die Krankenhausverwaltungen und nicht die Ärzte selbst sind, die einer Aufklärung im Weg stehen, darüber war sich die Runde bald einig.  

Plasberg allerdings, der sich mit ähnlichen Themen immerhin schon ein paar Mal auseinander gesetzt hat, war darauf aus, die ganze Komplexität des Themas darzustellen:  Ärzte, die zu eitel sind, einen Fehler zuzugeben und auf der anderen Seite einem System ausgesetzt sind, das sie dazu zwingt, praktisch Tag und Nacht zu arbeiten; Gesetzgeber, die genau diesem Verfahren keinen Riegel vorschieben – der Moderator manövrierte die Expertengruppe gekonnt zu den verschiedenen Aspekten, die diese mit ihren Aussagen oft nur noch ein bisschen unterfüttern mussten. Neben den vorgestellten Patientenschicksalen, die bei in der Sendung viel Raum einnahmen, blieb die Expertengruppe allerdings aus sich selbst heraus blass, wirklich Neues gab es aus dieser Richtung nicht.

Annette Widmann-Mauz, als CDU-lerin im Bundesgesundheitsministerium, war schon 2009 zu einem ähnlichen Thema bei „Hart aber fair“ aufgetreten und brachte auch das gleiche Argument: Bloß kein amerikanisiertes Gesundheitssystem, in dem sich die Ärzte nicht mehr an risikoreiche Operationen wagen, aus Angst, von den Patienten sofort verklagt zu werden! Immerhin, die Union arbeitet jetzt an einem Patientenrechtegesetz, das irgendwie ein geregelteres Verfahren im Fall von ärztlichen Kunstfehlern festschreiben soll. Dass genau diese Form des Gesetzes Hauptkritikpunkt von SPD-Mann Thomas Isenberg war („Die Beweislast liegt auch mit diesem neuen Gesetz in den meisten Fällen noch immer bei den Patienten!“), überraschte nicht. Immerhin bekam er gestern die Gelegenheit, sein Konzept eines speziellen Entschädigungsfonds für Betroffenen einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Während Anwalt Wolfgang Putz ein paar wertvolle Tipps zur Rechtslage lieferte, schüttelte Ärztekammervertreter Theodor Windhorst, der seinen Stand ansonsten plausibel verteidigte, bei den Geschichten vor allem den Kopf: „Es ist unfassbar!“

Das dachte irgendwann auch Ralf Wolf. Der Mann, der vorher im Zwiegespräch mit Plasberg ausführlich über sein Leben berichtet hatte, das durch eine falsche Krebsdiagnose eine schreckliche Wende genommen hatte, klopfte irgendwann ans Mikro, nach dem Motto: Die Diskussion bringt doch nichts. „Es ist eh vorbei!“ Trotzdem kann er etwas beruhigter nach Hause fahren. „Geben Sie mir nachher mal die Namen“, meinte  Windhorst, der sich, ehrlich erschüttert, nun ganz persönlich für den Patienten einsetzen will. 

Die Präsentation der Geschichte von Ralf Wolf oder der Fall Linus‘ sind aufwühlend und doch beruhigend zugleich. Aufwühlend, weil es einfach grässlich ist, was diesen Patienten widerfahren ist, beruhigend, weil solche Geschichten denen, die sich in ihrem Streit alleingelassen und zurückgedrängt fühlen, Mut machen und deutlich machen: Ihr seid nicht allein. Und: Man kann was dagegen tun! Das hat Plasberg geschafft.