„Hart aber fair“: Eckart von Hirschhausen hat viele Säuglinge mit Alkoholentzug erlebt

Frank Plasberg diskutiert am Montagabend mit seinen Gästen zum Thema: „Schlechte Bildung, kürzeres Leben: Wie kann das sein im Jahr 2019? Aktuelle Studien belegen: Mangelnde Bildung wird in Deutschland auch heute noch vererbt und hat weitreichende Folgen. Denn anders formuliert, heißt die These nichts anderes als „wer weniger verdient, stirbt meistens früher“. Diabetes, Übergewicht und Hyperaktivität schon von klein auf sind die Krankheitsbilder von Kindern bildungsferner Eltern.

Dafür, dass sich in seiner Runde alle einig sind, dass Eltern und Staat nur gemeinsam gegen diese „krasse Ungerechtigkeit“ vorgehen können, fällt Plasberg seinen Gästen ziemlich oft ins Wort. Und gibt schließlich dem Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil, SPD, mit: Als Dauergast der Sendung habe dieser schon viele wertvolle Tipps aus seinen Diskussionen mitgenommen – und auch umgesetzt. Heil nimmt es sehr gelassen: Als erstes wolle er bei sich selbst anfangen, Gewicht reduzieren, dann seine Nikotinsucht in Angriff nehmen. Dem Publikum gefällt´s.

Ist nicht vor allem die Aufgabe der Eltern, die Kinder gesund zu erziehen?

Bundessozialminister Hubertus Heil:

Der zweifache Familienvater setzt auf Vorsorgepolitik. „Bislang haben wir vor allem Nachsorge betrieben, mehr Gerechtigkeit bei Gehältern und Renten erreicht. Aber nun müssen wir Vorsorgepolitik machen, bei den ganz Kleinen anfangen, in Kita, Kindergarten, Schule. Und vor allem die Erzieher besser entlohnen.“ Denn seine These lautet: „Gute Bildung darf nicht Thema des Elternhauses sein. Sie muss da ansetzen, wo alle hinkommen, in der Kita. Bei der Geburt soll nicht klar sein, wer aufs Gymnasium geht. Es geht ums Talent jedes einzelnen und dieses zu entdecken.“

Bundestagsabgeordneter Thomas Kemmerich:

Der zweite Politiker in dieser Runde und Vater von sechs Kindern sieht auch mehr den Staat und die Schulen in der Schuld: „Man sollte endlich das Bildungssystem sanieren und mit dem Experimentieren aufhören. Beispiel: Rechtschreibung lernen nach dem Hörverstehen. Außerdem kritisiert er: „Die Lehrer sind zu schlecht ausgebildet und die Schulen zu wenig ausgerüstet.“

Doris Unzeitig, ehemalige Direktorin einer Berliner Brennpunktschule und Autorin:

Die Österreicherin will nicht nur den Staat mehr in der Pflicht sehen, sondern vor allem die Eltern: „Kinder übernehmen das, was sie vorgelebt bekommen. Und wenn die Kinder nur Süßigkeiten mit in die Schule bekommen, essen sie natürlich auch nur Süßigkeiten. Ich kenne sehr viele niedrigschwellige Angebote für Eltern, die diese aber gar nicht annehmen. Ich bin für einen Elternführerschein, zu diesem gehört auch die verpflichtende Teilnahme an Klassenereignissen der Kinder. Aber auch der Bund sollte umstrukturieren, indem er etwa Unterstützung an die Schulen umleitet. „Nur so kommt das Geld in manchen Familien auch da an, wo es gebraucht wird - beim Kind.“

Bildung beginnt im Mutterleib

Eckart von Hirschhausen, Mediziner und Kabarettist:

Er verlangt mehr Eigenverantwortung von den Eltern, aber auch gesetzliche Beschränkungen. „Ich habe schon so viele Säuglinge mit Alkohol- und Nikotinentzug erlebt. Viele Kinder starten mit miesen Chancen, da müssen wir anfangen.“

Tanja Stolze, gelernte Köchin, heute festangestellte Taxifahrerin:

Sie ist seit 16 berufstätig und „es war vollkommen klar, dass ich nur Hauptschulabschluss mache, das war damals so auf dem Dorf. Aber meine beiden Jungs habe ich immer unterstützt. Hauptschule, Realschule, Fachabi. Vom Elternhaus ist sehr viel abhängig.“

Das schlagen die Gäste vor

„Bessere Bezahlung der Dienstleistung Erziehung“, Hubertus Heil.

„Fürher gab es ein funktionierendes mehrgleisiges Schulsystem, auch die Hauptschule war etwas wert, und heute hat man die Wahl zwischen Gymnasium und Gesamtschule. Mehr Schulformen“, Thomas Kemmerich.