Das Motto der jüngsten Ausgabe von „Hart aber fair“ zitierte einen Ausspruch Martin Luthers, verdankte sich aber dennoch nicht ausschließlich der Tatsache, dass die Sendung auf den Reformationstag fiel. Moderator Frank Plasberg versuchte sich vielmehr eingangs an einer entsprechenden Zeitdiagnose: „Wir leben jedenfalls in Zeiten, in denen eine große Sehnsucht zu spüren ist nach Klarheit, nach Courage und eben nach Gradlinigkeit.“

Er konnte sich mit dieser These bestätigt sehen, nachdem ein Drehteam mit einer Wolfgang-Bosbach-Pappfigur auf die Kölner Domplatte gezogen war. Prompt versammelten sich unaufgefordert die Passanten zum Interview. Die Befragten lobten die Ehrlichkeit des CDU-Abgeordneten, seine Aufrichtigkeit, Seriosität, Bodenständigkeit, Mut.

Diese selbst von Parteigegnern geäußerte Beliebtheit, so zeigte sich auf Nachfrage, war neu und stand in unmittelbarem Zusammenhang mit Bosbachs unbestechlicher Haltung zur Euro-Rettung – er hatte sich der Fraktionsdisziplin nicht gebeugt, sondern war seiner Überzeugung treu geblieben, woraufhin ihm einige Parteifreunde, darunter der Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, mächtig zugesetzt hatten.

Für diese standhafte Haltung, die Bosbach nicht als Querulantentum verstanden wissen will, erntete er in der Sendung sogar die Anerkennung des gesellschaftskritischen Journalisten Günter Wallraf, der zugleich deutlich machte, dass er Bosbachs Positionen nicht teilt.

Aber Wallraff vertrat die Meinung, dass insbesondere auch Jüngere wieder für die Politik gewonnen werden könnten, wenn im Bundestag nicht blockweise abgestimmt und mehr Meinungsvielfalt demonstriert würde.

Wolfgang Bosbach wurde von Moderator Plasberg am ausführlichsten befragt. Er war der einzige Vertreter aus der parlamentarischen Sphäre. Im Rund saßen ferner Margot Käßmann, Popstar Peter Maffay und der Journalist und Sachbuchautor Michael Jürgs. Die Personenauswahl zeigt schon, dass die Redaktion an diesem Tag auf eine milde Form der öffentlichen Debatte abzielte.

Käßmann wurde Gradlinigkeit attestiert, weil sie nach einer Trunkenheitsfahrt auf ihre Ämter in der evangelischen Kirche verzichtet hatte.

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