„Ein System, was leicht missbraucht werden kann, wird auch leicht missbraucht“

Nachholbedarf sieht auch Holger Münch, der Präsident des Bundeskriminalamtes und ehemalige Bremer Polizeipräsident. „Ein System, was leicht missbraucht werden kann, wird auch leicht missbraucht“, sagt er in Hinblick auf die oftmals falschen Altersangaben, die viele Geflüchtete machten. Es könne nicht sein, das vorhandene Instrumentarien, wie z.B. Röntgenaufnahmen, die das Alter zweifelsfrei bestimmen könnten, in Zweifelsfällen aus gesundheitlichen Gründen nicht eingesetzt werden.

Was die Kriminalität betrifft, sieht Münch ein Problem in der Zusammensetzung des Flüchtlingsstroms. Der in der Statistik hohe Ausländeranteil ( 15 Prozent der Morde und Totschläge, 12 Prozent bei Sexualdelikten) ,sei darauf zurückzuführen, dass vor allem der Anteil junger Männer überdurchschnittlich hoch sei.

Leben in Deutschland kommt einem „Kulturschock“ gleich

Auch Ruud Koopmans, Professor für Soziologie und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin, sieht in der Zusammensetzung der Gruppe der Flüchtlinge ein Hauptproblem. Viele der Geflüchteten kämen aus Bürgerkriegsländern, in denen Gewalt alltäglich sei und noch immer eine „sexuelle Apartheit“ herrsche und Frauenrechte missachtet würden. Das Leben in Deutschland komme für sie einem „Kulturschock“ gleich.

Dennoch sei es wichtig festzustellen, dass die große Mehrheit der jungen Flüchtlinge nicht gewalttätig ist, betonte Koopmanns. Deshalb sei es auch falsch, ihnen aus Angst den sozialen Kontakt zu Gleichaltrigen verwehren. Der allein sei allerdings kein Garant für eine schnelle gelungene Integration. Wichtig sei in diesem Punkt, dass der deutsche Rechtsstaat bereit sein müsse, seine Gesetze durchzusetzen – „sonst gefährdet man die Sicherheit im Land“.

In punkto Wertvorstellungen „von einem anderen Planeten“

„Willkommen in Deutschland. Aber es gibt hier Regeln“, wäre auch das, was Isabel Schayani, Moderatorin des „Weltspiegel“ und Leiterin der Redaktion „WDRforyou“, Flüchtlingen heute zur Begrüßung sagen würde, Die Moderatorin, selbst Tochter eines iranischen Vaters, würde sich bisweilen ein strengeres Eingreifen der Behörden wünschen.

Ein zentrales Problem sei, dass viele Geflüchtete gerade in punkto Wertvorstellungen „von einem anderen Planeten“ kommen.

Für Annalena Baerbock, Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, gehören Humanität und Ordnung zusammen. Nichtsdestotrotz seien die von Geflüchteten verübten Straftaten durch nichts zu rechtfertigen. Allerdings sei es wichtig zu differenzieren. Ein Herkunftsland wie zum Beispiel Afghanistan sei von Region zu Region sehr unterschiedlich. Deshalb seien Pauschalurteile über afghanische Flüchtlinge unsinnig.

Fazit

Es war eine Diskussionsrunde ohne allzu große Kontroversen oder neue Erkenntnisse. Sinnbildlich dafür vielleicht auch die Schlussrunde: Auf Plasbergs Frage, wie seine Gäste denn heute in Deutschland ankommenden Flüchtlinge begegnen würden, reichten die unterschiedlichen Einschätzungen gerade mal von einem "Herzlich Willkommen" (Baerbock) bis zu einem "Willkommen" (Blume).