Zum Ende der Sendung interviewte Moderator Frank Plasberg den 18 Jahre alten Schüler Jakob Blasel. Er demonstriert gemeinsam mit tausenden anderen Schülern auf der ganzen Welt jeden Freitag für eine konsequentere Umweltpolitik. Es war ein Satz, mit dem er die ganze Relevanz des Themas klarmachte. Mit Blick auf das Podium und der Frage, wie sehr ihn Klimapolitik beschäftigt – immerhin steht er kurz vor dem Abitur und könnte die Zeit auch mit lernen verbringen – sagte er: „Das Problem ist: Die sitzen da nicht mehr so lange wie ich.“

In „Hart aber fair“ ging es um die Umwelt. Um Plastiktüten, Strompreise und ein mögliches Tempolimit – verbunden mit der Frage, wie ernst wir es eigentlich nehmen. Das Thema: „Gefühltes Öko-Vorbild, gelebter Klimasünder – lügt sich Deutschland grün“?

Frank Plasberg in guter Form

Der erste Streitpunkt: Plastikmüll. Hannes Jaenicke, in erster Linie Umweltaktivist und in zweiter Linie Schauspieler, eröffnete in bewährter Manier: „Das Ausland will unseren exportierten Dreck nicht mehr.“ Ein Einspieler zeigte Bilder aus Malaysia, wo auch deutscher Müll in aufgetürmten Plastikbergen zu sehen war. Tatsächlich legen Zahlen eines Einspielers nahe, dass im letzten Jahr 1,2 Millionen Tonnen Plastikmüll ins Ausland verfrachtet worden sind, allein 600.000 Tonnen nach China. Das Problem: Die Unternehmen, die den Müll produzieren, können sich ihre Bilanz schön rechnen. „Müll gilt als verwertet, wenn er exportiert wird“, sagte Taz-Journalistin Holdinghausen.

Moderator Frank Plasberg war in guter Form. Gekonnt konterte er die Ausführungen von Holger Lösch, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Industrie. Der machte das Hygieneempfinden der Deutschen dafür verantwortlich, dass im Supermarkt alles in Plastik eingepackt werden müsse. „Wie wär's mit abwaschen?“, fragte Plasberg.

Wie präsent ist das Thema eigentlich in unserer Gesellschaft? Fleischhauer bezeichnete den Umweltschutz als „Religion“ in Deutschland. Dem widersprach Jaenicke unumwunden. Die ganzen Coffee-to-go Becher und Einwegflaschen würden zeigen, dass sich die Deutschen nicht wirklich um die Umwelt sorgen. Umweltministerin Schulze legte nach: „Wir müssen weniger Plastik verwenden. Wir müssen das ganze in einen Kreislauf bringen. Verbrennen ist keine Lösung.“

Hannes Jaenicke kontert Kritik

Aber ist Plastik wirklich so viel schlechter? 131 mal muss eine Baumwolltasche benutzt werden, um ihre Ökobilanz auszugleichen, weil die Produktion extrem umweltschädlich ist. Und überhaupt: Wird da nicht mit zweierlei Maß gemessen, wenn Leute laut Klimaschutz rufen, aber selbst eine schlechte Ökobilanz haben? Alle Augen richteten sich auf „Vorzeige-Öko“ Jaenicke. „Ich benutze meinen Jute-Beutel bestimmt 400 mal. Außerdem habe ich auch noch nie einen Wal mit Jute-Beutel im Maul gesehen.“

Darüber hinaus fliege er zwar viel, er würde aber die durch den Flug entstandenen Emissionen immer ausgleichen. Und sogar „Vorzeige-nicht-Öko“ Fleischhauer fährt nach eigener Aussage viel Lastenfahrrad. Er rede zwar rechts, verhalte sich aber doch links. Im Supermarkt bei ihm um die Ecke sieht Fleischhauer ständig Frauen zwischen 35 und 45 Jahren, die ihre Kinder in der Kita abgegeben haben und vor dem Pilates-Kurs noch eben in den „unverpackt“-Supermarkt huschen. Wieder Plasberg: „Ich weiß jetzt gar nicht, ob das mehr frauen- oder umweltfeindlich war.“

Lösch sorgt sich neben dem Wohlergehen der deutschen Industrie um die großen Themen Mobilität und Wohnen. Da müssten wirklich Verhaltensänderungen her, die aber nicht jeder bereit wäre, mitzugehen. Etwas zu ausführlich wurde dann über das Tempolimit gesprochen. „Ein Tempolimit ist in dem Zusammenhang der geringste Hebel. Was wir brauchen ist eine komplette Verkehrswende. Wir brauchen mehr und besseren öffentlichen Nahverkehr, bessere Fahrradwege und mehr E-Mobilität.“ Hört sich zwar wie das Statement eines Politikers an, es war aber Journalistin Holdinghausen, die jenen Satz sagte, dem dann auch keiner widersprechen wollte.

„Hart aber fair“ vom 04.02.2019 in der ARD-Mediathek.