„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg: Kölnerin Shary Reeves lebt trotz Alltagsrassismus „gern in diesem Land“

Köln - Das ist der Montag nach den Sommerferien: Auf den Straßen staut sich der Verkehr und im Fernsehen gibt es wieder „Hart aber fair“. Das Thema der Talkrunde: „Özil und die Folgen – Steckt in jedem von uns ein kleiner Rassist?“ Sollen wir die Antwort vorwegnehmen? Okay, wir sind alle kleine Rassisten. Und einige unter uns, da gucken wir gerade mal kurz nach Chemnitz, sind auch ziemlich große, ziemlich widerliche Rassisten.

Tuba Sarica

Eine der Leitfragen der Sendung zum Start der neuen Saison lautete: „Wie weit verbreitet sind Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland?“ Das Ergebnis war nicht das, welches man womöglich erwartet hatte. Die Runde erging sich nicht in einem Deutschland-Bashing.

Vielmehr gab es zumeist angenehm differenzierte Stellungnahmen. Unstrittig ist, dass es rassistische Ärgernisse allüberall gibt. Zwar findet die deutsch-türkische Bloggerin Tuba Sarica – die zweimal mit radikaler Erdogan-Kritik auffiel – solche Einlassungen übertrieben. Es sei „manipulativ“, die deutsche Gesellschaft auf Teufel-komm-raus als fremdenfeindlich darzustellen. Sie jedenfalls beteuert, noch keine einschlägigen Belästigungen erfahren zu haben.

Shary Reeves

Aber dass es Diskriminierungen auch im Kleinen gibt, wurde an so manchem Detail deutlich. So schilderte die Kölner Sängerin, Schauspielerin und Moderatorin Shary Reeves, wie vergleichsweise unfreundlich das Verhalten ihr gegenüber beim Sicherheits-Check am Flughafen gewesen sei.

Sie führt dies auf ihre Hautfarbe zurück. Doch andererseits: „Ich lebe gerne in diesem Land.“ Selbstverständlich könnte alles noch viel besser sein. Darum sei es wichtig, sich zu treffen – „von Mensch zu Mensch“.

Mehmet G. Daimagüler

Das hatte zuvor schon der deutsch-türkische Rechtsanwalt Mehmet G. Daimagüler ausgeführt. „Wenn es in Deutschland keinen Rassismus gäbe, wäre es das einzige Land der Welt.“ Er selbst habe sich zuletzt dabei ertappt, dass er auf der Autobahn, als er von einem Kleinlaster geschnitten wurde, gedacht habe: „Verdammter Pole!“.

Man müsse sich eben immer wieder den eigenen negativen Impulsen stellen. Er verdanke alles, was er erreicht habe, seiner Familie und diesem Land. Ja, er hänge an Deutschland: „Gerade deshalb sage ich, dass wir besser werden können.“