Köln - Sind Donald Trump und Boris Johnson nur ein böser Spuk, der bald vorüber ist? Oder werden sie durch Widerstand vielleicht noch stärker? Frank Plasberg nahm die aktuellen politischen Verfahren gegen die beiden Regierungschefs zum Anlass, auch ein paar grundsätzliche Fragen zu stellen: Gehört die Zeit den Zockern und Spaltern? Verliert, wer sich an die Spielregeln hält? Für die Antworten hätte es gleichwohl eine funktionierende Glaskugel gebraucht.

Wer durfte mitreden?

Norbert Röttgen
Der CDU-Experte für Außenpolitik möchte Trump und Johnson nicht als bloße Rüpel davonkommen lassen: "Demokratischer Stil ist Substanz", so Röttgen. Beide wollten das Volk spalten und gegen die demokratischen Institutionen aufwiegeln, dadurch werde die Demokratie ihrer Länder erheblich beschädigt. Ein Problem ist für Röttgen das Mehrheitswahlsystem in den USA und Großbritannien, denn dieses sei auf Antagonismus aufgebaut. Seine Meinung über den Außenpolitiker Trump: Große Klappe, nichts dahinter.

James Hawes
Der britische Schriftsteller wurde über den deutschen Machtphilosophen Friedrich Nietzsche promoviert, was ihn eigentlich gegen Machtpolitiker wie Trump und Johnson abhärten sollte. Hawes zeigte sich aber trotzdem entsetzt: "Johnson hat kein Schamgefühl." Aber der Premier ist für Hawes nur ein Symptom. England sei "im Geheimen" schon lange ein tief uneiniges Land, wozu auch das "verdammte Zwei-Parteien-System" beitrage. Überhaupt sei das in Nord und Süd gespaltene England "wie vom lieben Gott geschaffen", um Stress und Feindschaft unter der Bevölkerung zu schüren.

Annette Dittert
Die ARD-Korrespondentin in London glaubt, dass Johnson aus der von ihm betriebenen Spaltung des Landes Kapital schlagen möchte, es gehe ihm nicht um die Lösung der Probleme. "Die Menschen in der Mitte sind ziemlich verzweifelt", so Dittert, denn die Linken und die Rechten hätten sich radikalisiert. Außerdem sei es mittlerweile als Festlandseuropäerin schwierig geworden, auf Partys eingeladen zu werden. Es sei den Leuten einfach peinlich, wenn eine Pro-Europäerin mit im Raum sei. Ihr Resümee: Der Alltag in Großbritannien ist vergiftet.

Christian Hacke
Der Politikwissenschaftler aus Bonn wies auf eine Gemeinsamkeit zwischen Trump und Johnson hin: Beide seien wegen der Unzufriedenheit großer Bevölkerungsteile gewählt worden. Trumps Stil findet Hacke "unmöglich", der sei eine "Fiese Möpp, das wissen wir". Aber er habe die Republikaner im Griff: "Daneben war die KPdSU ein wilder Haufen." Für Hacke ist eine mögliche Amtsenthebung kein Ersatz für freie Wahlen. Er ist sich ziemlich sicher, dass Trump wiedergewählt wird, so lange die Wirtschaft brummt.

Ralph Freund
Hätten Sie es gewusst: Es gibt einen Verein namens "Republicans Overseas Deutschland". Freund ist dessen Vizepräsident, außerdem CDU-Mitglied, und betonte, dass die innere Spaltung der USA lange vor Trump begann. Es glaubt nicht, dass die Demokratie in den USA gefährdet sei, denn das System von Checks and Balances, also die Kontrolle der Regierung durch Parlament und Justiz, funktioniere. Für ein Amtsenthebungs-Verfahren fehlt Freund zurzeit der "Pulverdampf", er würde die Machtfrage in den USA lieber den Wählern überlassen.

Was machte Plasberg?

Der Moderator brachte auf Trumps umstrittene Ukraine-Politik gemünzt die Vokabel "Klüngel" ins Spiel: "In Köln hat das lange funktioniert." Darüber ließe sich streiten, aber zweifelsohne ist Trump ein großer Möchtegern-Klüngler. Jetzt hätten wir gerne von Plasberg noch gewusst, ob Köln etwas von Washington lernen kann oder umgekehrt. Die Gesprächsrunde hatte er immer gut im Blick: "Sie haben den Kopf geschüttelt, ich habe es gesehen."

Wie hoch war der Erregungsfaktor?

"Hauen Sie dem Röttgen ruhig mal auf den Unterarm", ermunterte Plasberg den Bonner Professor Hacke, als der mal nicht zu Wort kam. Trotzdem wurde es nicht handgreiflich, dazu waren die Geladenen zu oft einer Meinung. Selbst der deutsche Republikaner Ralph Freund entpuppte sich beinahe als das Gegenteil eines glühenden Trump-Anhängers und verzog nur hin und tadelnd wieder das Gesicht.

Was haben wir gelernt?

Donald Trump ist eine "Fiese Möpp", auf diese Wortwahl konnten sich alle einigen. Und damit ist er quasi Ehren-Kölner. Es fragt sich nur, für wen das jetzt peinlicher ist.