„Hart aber fair“ mit Frank Plasberg zum Klima: Grünen-Wähler als Vielflieger mit reinem Gewissen

Nein, nicht die Hitze wurde debattiert. Aber doch das Klima. Jedenfalls ein wenig. Der Titel der Sendung: „Beim Klima prima – aber was wollen die Grünen noch alles?“ Ja, den Kanzler oder die Kanzlerin wollen sie stellen. Aber kriegen die das hin? Mit oder ohne Doppelspitze? Fragen über Fragen. Die sollten von den Gästen beantwortet werden. Was die so zu sagen hatten?

Die Gäste

Katharina Schulze, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayerischen Landtag, hat mit Vergnügen die Hauptrolle in dieser Sendung gespielt. Ihr gefühlter Redeanteil: 80 Prozent. Leider bemühte sie auch allerlei Versatzstücke des allzu bekannten Polit-Sprechs: „Wir müssen Mut machen.“ Oder dies: „Wir können uns Stillstand nicht leisten.“ Oder das: „Mit unserer Zukunft sollte nicht gespielt werden.“ Immerhin: Konkret setzt sie sich dafür ein, die Zahl der Kurzstreckenflüge zu reduzieren. Erst war da von Flügen zwischen München und Moskau die Rede, aber dann beschränkte Schulze ihren Vorstoß auf innerdeutsche Strecken. Die Frage, ob sie Robert Habeck als Kanzlerkandidaten sehen möchte, beantwortete sie nicht – und zwar in der vertrauten Weise: Über Inhalte wolle man reden, nicht über Personalien. Das fanden die anderen nicht nur gut.

Claudia Kade, Politik-Chefin bei der „Welt“, beklagte in diesem Zusammenhang ein „Rumgeeiere ohne Ende“. Ansonsten fehlen der Journalistin bei den Grünen die konkreten Angaben. Wo soll das Geld für den Klimaschutz herkommen, fragte sie.

Tilman Kuban, Bundesvorsitzender der Jungen Union, bezeichnete den Co-Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck als „Gute-Laune-Bär“ und lieferte sich ansonsten einige Auseinandersetzungen mit Katharina Schulze. Je später der Abend für den Zuschauer wurde, desto begeisterter war er von der freundlichen Kontroverse. „Ihr habt Spaß?“, fragte Frank Plasberg zum Finale, weil die beiden das „Ratschen“ nicht lassen mochten.

Florian Schroeder, Kabarettist und Moderator, glaubt, das Erfolgsmodell der Grünen erkannt zu haben: „Das Bleiben im Ungefähren.“ Die Parteispitze verhalte sich charmant, aber wenig konkret. Das war überhaupt das Schlüsselwort der Sendung: Konkret!

Juli Zeh, Schriftstellerin und Verfassungsrechtlerin in Brandenburg, vermutet „bauchgefühlsmäßig“, dass der Hype um die Grünen keine konkrete Grundlage habe. Wenn jetzt nicht bald Wesentliches geliefert werde, löse sich dieser Hype mit einem „flupp“ auf. Auch hat sie festgestellt, dass die Grünen in den ländlichen Räumen als Bedrohung wahrgenommen werden

Der auffälligste Satz

„Keine Partei ist so gut für die Doppelmoral wie die Grünen.“ Das sagte Florian Schroeder. Sein Satz liest sich jetzt womöglich böser als er gemeint war. Was gemeint war? Indem der Wähler sein Kreuzchen bei den Grünen setze, tue er etwas für sein Gewissen, aber fliege dann doch in den Urlaub. Der Einspielfilm, den die Redaktion vom Flughafen mitgebracht hatte, bestätigte genau dieses: Grüne Politik sei toll, sagten alle ausgewählten Befragten, aber in den Urlaub wollen sie dann doch fliegen. Immerhin, sagte der Kuba-Reisende, sei man ja mit der Bahn zum Flughafen gefahren. So viel „Flugscham“ muss sein.

Das Fazit

Erst um 22.58 Uhr ging diese Talkrunde auf Sendung. Und nach 60 Minuten war sie auch schon am Ende (statt nach 75 Minuten). Aufgezeichnet war sie zudem. Der Grund: Ein Achtelfinalspiel der Frauenfußballweltmeisterschaft wurde von der ARD-Programmplanung vorgezogen. Was soll man davon halten? Auf jeden Fall ist dies ein Sieg für den Frauenfußball. Zumal nicht Deutschland spielte, sondern Schweden gegen Kanada. Die Dinge sind in Bewegung. In der Politik wie im Fußball.