Und da standen die drei am Montagmittag auf dem Petriplatz in einem Pavillon aus Holz und Kunststoff, der Wind rüttelte an den leichten Türen, der Autolärm drang ungehindert hindurch, und sie trugen ihre verschiedenen geistlichen Gewänder und segneten – vor Honoratioren und Journalisten – das Projekt und den Augenblick, ein jeglicher auf seine Art.

Sie baten um Gottes Schutz und Frieden auf Erden, und sie taten das dreifach und zu dritt – „weil wir es alleine nicht schaffen“. Diese Einsicht ist der Grundgedanke des „House of One“. Ein Haus für drei Religionen, vielmehr: drei sakrale Räume um einen gemeinsamen vierten in einem einzigen Gebäude und dies auf den Grundfesten der Petrikirche, die 1945 zerstört und 1964 abgetragen wurde.

Die Initiative, an genau dieser Stelle aufzubauen, kam vor sieben Jahren von Gregor Hohberg, Pfarrer der evangelischen Gemeinde St. Petri-St. Marien in Mitte, und er holte den Rabbiner Andreas Nachama und den Imam Kadir Sanci ins Boot. „Denn die christliche Seite wollte Macht und Raum abgeben“, so Roland Stolte, der Verwaltungsdirektor des House of One, das sich von einer Initiative inzwischen in eine richtige Organisation verwandelt hat, in eine Stiftung mit Stiftungsrat, Beiräten und Bildungsteam.

Budget von 8,5 Millionen Euro 

Macht und Raum abgeben – „an andere Religionen, an die Gesellschaft und auch an die, die mit Religion nichts anfangen können.“ Ein Haus des Einen für alle. Das ist natürlich schon rein räumlich recht ehrgeizig, ist der am Montag eingeweihte Pavillon, der den zukünftig vierten, also transreligiösen Raum markieren soll, gerade 10,6 mal 10,6 Meter groß, und die konfessionellen Räume werden eher kleiner.

Aber die Haltung zählt, und mit dieser Haltung erzählen Hohberg, Nachama und Sanci Lessings Ringparabel bis in die Zukunft weiter, indem sie anerkennen, dass ihre drei Ringe (die sie vom Vater jeweils als einzig wahre überreicht bekamen) nicht nur absolut gleichwertig sind, sondern dass es derer im Grunde auch gar nicht bedarf, um auf dieser Welt etwas wert zu sein. Eine Haltung, die international großes Interesse zu wecken scheint. In mittlerweile 60 Ländern sei über das Projekt berichtet worden, erwähnt Nachama, es gäbe etliche Einladungen und aus über 50 Ländern Spenden.

Und auf Spenden kommt es natürlich an. Wobei zum momentanen Budget von 8,5 Millionen Euro auch das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ (2,2 Millionen) und das Land Berlin (1,2 Millionen) beigesteuert haben. Der Rest ist dem Interesse der Unternehmerin Catherine von Fürstenberg-Dussmann und vielen anderen zu danken. Laut Wilfried Kuehn vom Architekturbüro Kuehn Malvezzi ist das Projekt bis zur Grundsteinlegung im nächsten Jahr finanziert, und erreiche man die Summe von 12,5 Millionen Euro, könne der erste Bauabschnitt realisiert werden.

Welche Räume braucht der Mensch?

Alles in allem werde es wohl 43 Millionen kosten. Wobei das House of One ein Bau aus „Ziegeln, Licht und Zeit“ sei, das in jeder Phase auf andere Weise bereits „fertig“ sei, und schon mit der Errichtung dieses Pavillons, der während des Lutherjahres in Wittenberg gestanden habe, sei das House of One eigentlich eröffnet, weil es jetzt einen eigenen Raum für die transreligiösen Veranstaltungen gebe, die seit einigen Jahren an verschiedenen Orten in Berlin stattfinden.

Welche Räume braucht der Mensch? Der „Raum der Stille“ am Brandenburger Tor scheint eher wenig frequentiert zu sein. An der Leipziger Straße aber, die Block um Block von den Houses of Really Many gesäumt ist, mag der Bedarf ein anderer sein. Die Einladung zum ab jetzt regelmäßigen Lese-Salon, zur Meditation am Donnerstagabend oder ganz ohne Veranstaltung schlichten Aufenthalt im beheizten, offen zugänglichen Pavillon ist das Angebot, einen Moment beiseitezutreten, bevor man sich wieder in die Maschinerie des Alltags einspeist.

Und nicht nur in der Versenkung, sondern auch dort, im kurzen Innehalten am Rande der Belastbarkeit offenbart sich ja das, was manche für Gott halten, andere für das Leben, besonders gern: ein Durchatmen, ein Wechsel der Perspektive, eine Idee, ein plötzliches Zuhause- und Zusammengehörigkeitsgefühl, ganz ohne Grund.