Hier auf analoge Weise: Die junge Generation sorgt für Unterhaltung.
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BerlinAm Sonnabend wäre die Berliner Band SDP in der Max-Schmeling-Halle aufgetreten. Ich weiß davon, weil die Karte für das auf irgendwann verschobene Konzert bei mir zu Hause als trauriges Zeichen an der Pinnwand hängt. Sie flattert dort in Gesellschaft von Tickets für das Berliner Ensemble und einem satten Gutschein der Yorck-Kinogruppe. 

Bis vor wenigen Tagen aber habe ich SDP nicht gekannt, mittlerweile kann ich ihr Lied „Die Nacht von Freitag auf Montag“ mitsingen – in der Corona-Edition. „Der Song geht viral wie Covid-19“ heißt es da.

Die Krise bewirkt zwar, dass die Entfernung zur Großeltern-Generation von deren technischer Ausstattung abhängt. In gemeinsamen Haushalten führt sie aber die Generationen näher zusammen. Sie werden zu Lehrern und Schülern im Heimunterricht im ernsten (Unterrichtspläne) wie im heiteren Part (Social-Media-Kompetenz).

Die Ärzte und Silbermond

Ohne die verhinderte Konzertbesucherin in meiner Familie würde ich nicht wissen, dass Die Ärzte „Ein Lied für Jetzt“ geschrieben haben, dass Silbermond singend auffordern „Machen wir das Beste draus“ und das aufgelöste YouTuber-Trio ytitty noch einmal den „Letzten Sommer“ feiert. Man kann nicht immer nur lesen, Filme gucken und Monopoly spielen. So ein Corona-Song, von den mit Musikstreaming aufgewachsenen Personen aufgespürt, hebt die Stimmung. So lässt sich auch ein ganzes Programm zusammenstellen, von Freitag bis Montag.

Die nächsthöhere Stufe wird mit Hausmusik erreicht. Erwachsene spielen Blockflöte auf Twitter. Am kreativsten zeigt sich eine Familie aus dem englischen Kent, die den Song „One Day More“ aus dem Musical „Les Misérables“ für die Quarantäne umgedichtet hat. Meine persönliche Musikberaterin hat es auf Instagram gefunden. Auf YouTube wurde der Clip  bereits mehr als zweieinhalb Millionen Mal aufgerufen.

Quelle: Youtube

Mit Gesundheitshinweis

Danielle und Ben Marsh und ihre vier Kinder beklagen Online-Shopping und Online-Unterricht. Sie bedauern, dass die Großeltern nicht nur Meilen entfernt sind, sondern auch nicht in der Lage zu skypen. Fußball findet nicht nur nicht im Fernsehen statt, der jüngere Sohn vermisst seine Mannschaft. Der ältere Junge hisst eine Jacke am Besenstiel wie die Fahne der Revolution im Musical. Die Marshs singen und spielen ihr Bedauern und ihr Aufbegehren. Das geht zu Herzen, stiftet zum Mitsingen und Mitspielen an.

Auf YouTube ist das Video dezent mit Hinweisen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verknüpft. Wer beim Nachspielen ins Husten kommt, sollte wachsam sein.