Berlin - Heimatkunde war ein Schulfach in der DDR. Im Berliner Stadtteil Karlshorst wird gerade praktische Heimatkunde betrieben, indem ein unscheinbares städtisches Fleckchen seine Verwandlung erfährt: Am Mittwoch bekam die Dreiecksfläche im Treffpunkt zwischen der Waldowallee und Köpenicker Allee den Namen Digedagsplatz. Der Lichtenberger Bezirksbürgermeister Michael Grunst erlebte begeisterte Anwohner: Es passiere nicht alle Tage, dass Verwaltungshandeln auf so viel Gegenliebe stößt, teilte er mit. 

Das hatte schon vorher angefangen und geht noch weiter. Denn es war so, dass zunächst in der Waldowallee 15 eine Gedenktafel für Johannes Eduard Hegenbarth (1925–2014) angebracht worden war. Dort wohnte und arbeitete seit 1957 der Grafiker. Dort ersann und zeichnete er unter dem Namen Hannes Hegen die Geschichten um Dig, Dag und Digedag für 223 Hefte der Zeitschrift Mosaik. Wer im Osten aufgewachsen ist, kannte sie, bis heute gibt es nicht nur Sammler der alten Hefte, sondern Neuausgaben im alten Stil. Die drei Kobolde und der Ritter, nach dem die Runkelrübe benannt wurde (oder war es andersherum?), reisten um die Welt und in die Geschichte, unpolitisch, aber zuweilen durchaus lebenspraktisch: „Wer sich ganz in Eisen hüllt, hat noch nie vor Schmerz gebrüllt!“

Erfreut über die Tafel, wollten die Bürger mehr. Nun gibt es also den Namen für den Platz, etwa dreißig Meter vom Wohnhaus entfernt. Google Maps findet ihn schon. Und es geht weiter. Der Bürgermeister bittet um Vorschläge, den Platz zu gestalten, auf dass er seines Namen würdig werde. „Ein Rittersmann aus gutem Holz ist nur auf seine Taten stolz“, heißt es dazu im Mosaik-Heft 12. Es liegt nahe, für mehr Grün, Bänke und Papierkörbe zu sorgen. Aber was ist Digedags-typisch? Da sind die Ideen der in Ehren ergrauten Leser gefragt. Der Gedanke, dass Vertrautes im Wohnumfeld fortlebt, hat etwas Heimeliges.