Helga Schütz weiß, wie man mit Worten und mit Pflanzen umgeht.
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BerlinVieles spricht dafür, dass die blaue Blume der Romantik ein Rittersporn war. Als Novalis diese Sehnsuchtspflanze erfand, machte nämlich der prächtige, von Staudenhändlern importierte Rittersporn gerade in mitteleuropäischen Gärten Furore. So etwas muss man erstmal wissen und in Zusammenhang bringen – wie Helga Schütz: Drehbuchautorin, Schriftstellerin und gelernte Gärtnerin.

Die Sache mit der blauen Blume ist in ihrem neuen Buch „Von Gartenzimmern und Zaubergärten“ nachzulesen. Dort gibt sie auch Einblicke in ihre Ausbildung in „Zierpflanzenbau und Landschaftsgestaltung“ im zerbombten Dresden. Sie erzählt (wie übrigens auch in ihrem Roman „Knietief im Paradies“) wie sie als gerade mal 15-Jährige Düngerkunde lernte, Kompost schaufelte und Noten für die Schärfe des Stecklingsmessers bekam.

Eine Rose namens Peace

Inzwischen ist Helga Schütz über achtzig und lebt schon lange in Babelsberg. Ihren kiefernbestandenen Garten kennen viele aus ihrem Buch „Dahlien im Sand“. Auch im neuen geht es in 25 Kapiteln um Nadelbäume, Rhododendren und Glockenblumen, um ihre Krokusse oder in Kübeln gehegte Sträucher. Sie erzählt aber auch von Pflanzen, die anderswo wachsen, zum Beispiel im Park von Sanssouci, in den Anlagen des Staudenpapstes Karl Foerster in Bornim und im Großen Garten in Dresden. Oder überall auf der Welt, wie die einst so populäre Rose „Gloria Dei“, die direkt nach dem Zweiten Weltkrieg die Gärten eroberte und auf englisch „Peace“ genannt wird.

Wie immer bei Helga Schütz, der die Defa so manches legendäre Drehbuch verdankt und die seit den Siebzigern auch Literatur verfasst, ist der Ton sachlich und behutsam, eine Mischung, die etwas mit ihrer Gärtnerausbildung zu tun haben mag. Wer mit jungen Pflanzen umgeht, sollte beides sein, und darin liegt, das zeigt auch dieses Buch, eine ganz spezielle Poesie. Vielleicht ist es aber auch einfach der Stil einer vielfach geehrten Schriftstellerin, die sich ihr Leben lang von lauten und großen Worten fernhielt.

Was Schnecken nicht schmeckt

Wie auch immer, es macht großen Spaß zu lesen, was sie zu Horti- und sonstiger Kultur zu sagen hat, es ist heiter und klug, hin und wieder auch persönlich wie die Beschreibung ihres „Gartenzimmers“ oder Erinnerungen an die Gärtnerlehre. Außerdem lernen Pflanzeninteressierte hier viel, etwa die Geschichte und Sortenvielfalt von Rittersporn, Phlox, Krokus und vielen anderen. Und wussten Sie, dass man in Baugruben nach Mergel Ausschau halten sollte, weil viele Pflanzen diese Bodenart lieben? Dass Nachtkerzen, die heute auf jeder Brache wachsen, einst in Schlossgärten blühten, ja dass es ein Märchen über sie gibt? Oder dass Schmucklilien weder Schnecken noch Kaninchen schmecken?

All diese nützlichen Informationen, interessanten, richtig guten Geschichten und freundlichen Reflexionen wurden von Nils Hoff, der unter anderem für das Naturkundemuseum in Berlin zeichnete, illustriert. Auch in seinen Bildern verbindet sich handfestes Pflanzenwissen mit Sinn für Poesie, und so passen sie perfekt in dieses wunderschöne Buch.

Von Gartenzimmern und Zaubergärten. Illustrationen von Nils Hoff, Aufbau Verlag, Berlin 2020, 199 S., 22 Euro