Helge-Schneider-Entdecker: Experimentalfilmer Werner Nekes ist tot

Wer hätte gedacht, dass eine Schlagerfilmparodie derart großen Einfluss auf das deutsche Kulturleben haben würde? Aber der von Werner Nekes im Jahr 1986 in Mülheim an der Ruhr mit einfachsten Mitteln gedrehte „Johnny Flash“ erwies sich als Sprungbrett der sehr unterschiedlichen Karrieren von Helge Schneider und Christoph Schlingensief.

Vergangenen Sonntag ist Werner Nekes im Alter von 72 Jahren in seiner Mülheimer Heimat gestorben. Das vermeldete zuerst das Kunstmagazin „Monopol“.

Filme mit zärtlichem Humor

Für den Experimentalfilmer Nekes war „Johnny Flash“ ein einmaliger Ausreißer ins populäre Kino. Der 1944 in Erfurt geborene Künstler wuchs in Duisburg auf, ging in Oberhausen und Mülheim zur Schule. Bereits mit 25 Jahren wurde er zum Professor an die Hamburger Hochschule für Bildende Kunst berufen. Später kehrte er ins Ruhrgebiet zurück, gehörte zu den Mitgründern des Filmbüros NRW.

Seinen Experimentalfilmen lag gründliche theoretische Vorarbeit und technische Meisterschaft zugrunde, aber eben auch ein zärtlicher Humor: Der Zehnminüter „schwarzhuhnbraunhuhnschwarzhuhnweißhuhnrothuhnweiß oder put-putt“ aus dem Jahr 1967 etwa kontempliert Leben und Tod anhand eines erst Körner pickenden, dann verblutenden Huhns.

In seinem ersten Langfilm „Uliisses“ suchte Nekes nach bildlichen Entsprechungen zu James Joyces literarischen Meisterwerk „Ulysses“. Der Kontrast zu „Johnny Flash“ könnte kaum größer sein.

Christoph Schlingensief als Assistent

Den jungen Wilden Christoph Schlingensief hatte Nekes an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach kennengelernt, er stellte ihn als Assistent an, wodurch Schlingensief seine ersten Kurzfilme realisieren konnte.

Mit Helge Schneider als arbeitslosen Elektriker Jürgen Potzkothen, der von einer Karriere als Schlagersänger träumte, fand Nekes die Idealbesetzung für seine Parodie. Für Schneider war die Rolle durchaus biografisch angelegt. „Johnny Flash“ machte ihn erstmals einem größeren Publikum bekannt, und diente auch als stilistische Vorlage für seine eigenen Filme.

Arbeit für Landesgartenschau Mülheim

Neben seiner Filmarbeit sammelte Werner Nekes Objekte aus der Vor- und Frühgeschichte des Kinos, von der Wunderkammer bis zum Zoetrop. Anfang der 90er Jahre baute er in Mülheim zur Landesgartenschau die größte Camera Obscura der Welt. Bald hatte er auch eine der größten Sammlungen der Welt zusammengetragen, und lieh seine Objekte für Ausstellungen von London bis Tokio aus.