Einen Dreistundenfilm in einem Stück zu zeigen, das trauen sich die Sender höchst selten. Normalerweise wird ein größerer Stoff als Zweiteiler produziert, um den Zuschauer zwei Abende lang ins Programm zu ziehen. Dabei sind viele durchaus bereit, sich mal länger als immer nur 90 Minuten lang fesseln zu lassen. Bester Beweis war die Ausstrahlung von „Kennedys Hirn“ am Ostersonnabend vor zwei Jahren. Die Mankell-Verfilmung erzielte damals wesentlich bessere Quoten als eine parallele Sixties-Show mit Thomas Gottschalk im ZDF. Diesmal wird die Wiederholung zwar das ZDF mit seiner Übertragung des Pokalfinales nicht übertrumpfen können. Aber eine gute Alternative für alle Fußball-Abstinenzler ist sie auf jeden Fall.

Regisseur Urs Egger nutzt seine 172 Minuten Spielzeit dramaturgisch voll aus. Nach einer dramatischen Ouvertüre fährt er das Tempo zunächst stark zurück und lässt es nur allmählich wieder ansteigen. Ein junger Reporter entgeht in Maputo in Mosambik nur knapp einem Anschlag und flieht in seine vermeintlich sichere schwedische Heimat. Tage später findet ihn seine Mutter Louise (Iris Berben) tot in seinem Bett. Nachdem sich herausgestellt hat, dass er HIV-positiv ist, legt die Polizei den Fall als Selbstmord zu den Akten. Nun muss die Archäologin Louise, die gerade ihren Studenten erklärt hatte, sie müssten das Unsichtbare sichtbar machen, selbst den Dingen auf den Grund gehen.

Ein Afrika-Thriller

In der ersten Stunde bleibt die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Henning Mankell ein Familienfilm in winterlich kalten Farben, vor einer rauen Kulisse wie in einem Ingmar-Bergman-Drama. Louise muss sich erst bei ihrem Vater (Hans-Michael Rehberg) und dann bei ihrem Ex-Mann Aron (Christophe Malavoy) sammeln, um sich dann gemeinsam mit Aron in Südafrika auf die Spuren ihres toten Sohnes zu begeben.

Von diesem Moment an entwickelt sich „Kennedys Hirn“ – der Titel ist ein Gleichnis für eine großangelegte Verschleierung – zu einem Afrika-Thriller, der alles bietet, inklusive Nachspielzeit, Verlängerung und finalem Showdown. Regisseur Egger und sein Kameramann Martin Kukula zeigen keine Kitsch-Landschaft mit Löwenbabys und Gazellen, sondern eine ebenso packende wie bedrohliche Szenerie, in der die Gefahr hinter jeder Ecke lauert. Wie bei Henning Mankell nicht anders zu erwarten, stecken die Europäer hinter den größten Gemeinheiten.

Kennedys Hirn, Sonnabend, 20,15 Uhr, ARD