Henri-Nannen-Preis: "SZ"-Journalisten lehnen Henri-Nannen-Preis ab

Bei der Verleihung der Henri-Nannen-Preise ist erstmals die „Bild“-Zeitung bedacht worden. Für ihren Beitrag „Wirbel um Privatkredit - Hat Wulff das Parlament getäuscht?“ (13.12.2011) in der Affäre um Ex-Bundespräsident Christian Wulff erhielten die zwei „Bild“-Autoren Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch am Freitagabend in Hamburg die Bronzebüste Henri.

Gleichzeitig mit ihnen sollten in der Kategorie „Beste investigative Leistung“ die Journalisten Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter von der „Süddeutschen Zeitung“ ausgezeichnet werden, die die „Formel-1-Affäre“ bei der BayernLB aufgedeckt hatten. Leyendecker lehnte die Auszeichnung jedoch stellvertretend ab, weil er nicht zusammen mit der „Bild“-Zeitung ausgezeichnet werden wolle.

Auszeichung war im Vorfeld umstritten

Die mögliche Auszeichnung des Boulevardblatts „Bild“ war bereits im Vorfeld umstritten; die Grünen-Politikerin Antje Vollmer bezeichnete sie als „Ritterschlag mit Zugang zur Artus-Runde“ für das Massenblatt. Bei der Veranstaltung gab es vereinzelt Buh-Rufe für die Entscheidung.

Niklas Maak von der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ erhielt den Essay-Preis, in der Kategorie „Foto-Reportage“ gewann Kai Löffelbein. Der „Henri“ für Dokumentation ging an ein Team des „Spiegel“. Für seine Reportage erhielt Stefan Willeke von der „Zeit“ den Egon Erwin Kisch-Preis.

Die Henri-Nannen-Preise gehören in Deutschland zu den renommiertesten Auszeichnungen für Journalisten. Im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg übergaben der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr und sein Magazin „Stern“ die mit insgesamt 35 000 Euro dotierten Preise. Vorstandschef Bernd Buchholz mahnte zum Auftakt der Gala, das geistige Eigentum der Autoren insbesondere in der digitalen Welt zu schützen, um unabhängige Berichterstattung zu gewährleisten.

Der Preis erinnert an den Gründer der Illustrierten „Stern“, Henri Nannen (1913-1996). (dpa)