Henry Lee Jackson von The Sugar Hill Gang: Zum Tod von Big Bank Hank

Er war Imp, der Dimp, der Ladies’ Pimp, ein Mann, der so heiß war, dass die Frauen sich darum balgten, ihm gefallen zu dürfen. Er war der Grandmaster, gegen dessen rasende Reime jeder Widerstand zwecklos war, so dermaßen zwecklos, dass sogar Lois Lane ihren Freund Superman für ihn verlassen wollte – völlig zu Recht, wie er befand, denn schließlich sah Superman ja auch ziemlich albern aus in seiner Ganzkörperstrumpfhose, und mag sein, dass er nächtelang durch die Luft fliegen konnte, aber niemand konnte nächtelang so gut feiern wie er, Big Bank Hank, und mal ehrlich: würde man sich zum direkten Schwanzvergleich treffen, sähe Superman gegen ihn mickrig aus.

„Rapper’s Delight“ heißt das Lied, in dem Big Bank Hank dieses selbstbewusste Selbstporträt formulierte, im Wechsel mit seinen Reim- und Protzpartnern Wonder Mike und Master Gee. Gemeinsam nannten die drei sich The Sugar Hill Gang, nach einem Viertel in New York. Dort hatten sie Ende der Siebzigerjahre damit begonnen, einer neuartigen Freizeitbeschäftigung zu frönen: der Improvisation gereimter Texte in rasender Sprechgesangsform zu Disco-, Funk- und Soul-Titeln vom Plattenteller. Für diese Art des künstlerischen Ausdrucks setzte sich später der Begriff Rap durch, die dazugehörige musikalische Gattung wurde als HipHop betitelt. Aber dass aus dem improvisierten Gereime überhaupt eine musikalische Gattung wurde, haben wir nicht zuletzt Big Bank Hank und der Sugar Hill Gang zu verdanken.

Ihr „Rapper’s Delight“ war die erste kommerziell erfolgreiche HipHop-Single überhaupt – erschienen im November 1979 auf dem Sugar Hill Label von Sylvia Robinson. Bis dahin hatten die Rapper das Rappen meist nur als Partytätigkeit und als Sport begriffen, kaum einer von ihnen interessierte sich für das Aufnehmen von Songs. Erst Robinson, seit den 50ern als Soulsängerin und später Produzentin tätig, machte sich mit Nachdruck daran, diese neue Musik auf Platten zu pressen. Sie stellte die Sugar Hill Gang zusammen und ließ sie über einige rhythmisierte Fragmente aus dem Disco-Hit „Good Times“ von Chic in gereimter Form ihre Männlichkeit preisen sowie die Wonnen des Party-Feierns.

Mit Erfolg: Die Single verkaufte sich millionenfach und animierte zahlreiche Nachahmer. Weil die Chic-Komponisten Bernard Edwards und Nile Rodgers gerichtlich gegen die nicht genehmigte Verwendung ihrer Musik vorgingen, wurde „Rapper’s Delight“ zugleich zum ersten Urheberrechtsverletzungsfall der HipHop-Geschichte; und in der bizarren Cover-Version „Rapper’s Deutsch“ der Moderatoren Thomas Gottschalk, Frank Laufenberg und Manfred Sexauer hat das Stück auch die deutsche Rap-Kultur begründet.

Der Ruhm der Sugar Hill Gang verdampfte schon Anfang der Achtzigerjahre, doch kamen sie als Trio oft noch wieder zusammen. Auch dies ist nun an ein Ende gekommen: Am Dienstag ist Big Bank Hank, geboren 1956 in New York als Henry Lee Jackson, im Alter von 57 Jahren in New Jersey an Krebs gestorben.