Vermutlich wird Heribert Schwan es dabei bewenden lassen und sich im Rechtsstreit um die Frage, wem die 135 Original-Tonbänder gehören, auf denen der 69-Jährige rund 630 Stunden seiner Gespräche mit Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl aufgezeichnet hat, in zweiter Instanz geschlagen geben. „Es wird sehr darauf ankommen, wie die Begründung des Oberlandesgerichts ausfällt“, sagt der Publizist und Historiker. Das Gericht wird das Urteil am 1. August verkünden. „Sollte ich verlieren, habe ich rund 50.000 Euro in den Wind geschossen.“

Er könne nicht nachvollziehen, dass sich das Oberlandesgericht Köln auf die rein formale Frage zurückziehe, wem die Tonbänder gehören. Das Gericht vertritt die Auffassung, dass die Urheberrechte überwiegend bei Kohl liegen, weil sie durch seine Antworten zu einem historischen Dokument geworden seien.

Doch selbst wenn Schwan auf die Revision verzichtet, werde ihn das Thema „bis zu meinem Tod“ begleiten. „Wenn Helmut Kohl einmal tot ist, wird es unweigerlich zum Streit mit seiner Frau um die Deutungshoheit über das Leben des Alt-Kanzlers kommen“, sagt Schwan. „Ich habe mich acht Jahre meines Lebens mit Helmut und Hannelore Kohl beschäftigt. Sollte seine zweite Frau über sein Leben und sein Vermächtnis etwas sagen oder schreiben, werde ich reagieren müssen, weil ich gegen Legendenbildung bin.“ Er habe „durch die Kenntnisse der Dokumente und die vielen Gespräche einen anderen Einblick in Kohls Leben als jeder andere auf dieser Welt“.

Das Zerwürfnis

Das Zerwürfnis mit Maike Kohl-Richter hat laut Schwan eine lange Vorgeschichte und nichts mit seiner Biografie über Hannelore Kohl zu tun, die 2011 erschienen ist. Es sei schon viele Jahre zuvor „zu Unannehmlichkeiten zwischen mir und der damaligen Kohl-Freundin gekommen“. Der Alt-Kanzler, so Schwan, habe ihm „eines Tages eröffnet, dass seine Freundin erhebliches Interesse daran habe, an der Abfassung seiner Memoiren mitzuarbeiten“. Ihr Interesse liege vor allem in der Wirtschaftspolitik der Kanzlerjahre. „Ich hatte keine Einwände“, erinnert sich Schwan. Doch seine Geduld in der Zusammenarbeit habe sich bereits dem Ende genähert, als die junge Frau vor allem über die Interpunktion mit ihm habe verhandeln wollen.

Später sei es um Charaktereigenschaften von Hannelore Kohl gegangen, „die ich in besonderer Weise herausgestellt hatte“. Schwan erinnert sich, dass Maike Richter entsetzt gefragt habe: „Helmut, stimmt das?“ Der Altkanzler habe sichtlich erzürnt geantwortet: „Das stimmt und bleibt so“. Als Kohl Anfang 2008 in seinem Haus gestürzt war und dadurch sein Sprachvermögen verlor, wendete sich das Blatt. „Als ich im Oktober des gleichen Jahres mit der ersten Hälfte des vierten Bandes nach Oggersheim kam, war sie längst die neue Frau an seiner Seite. Fortan hatte sie das Sagen.“

Wenig später eskalierte der Streit im Zusammenhang mit einem anderen Projekt. Es ging um ein Begleitbuch zur ARD-Fernsehserie „Bonner Republik“. Über viele Wochen sei dazu keine Reaktion aus dem Hause Kohl gekommen. „Zu guterletzt hatten wir einen überarbeiteten Buchbeitrag in Händen, der an Kohls Interview-Äußerung völlig vorbeiging. Als Maike Kohl-Richter mit der Unsinnigkeit ihres Textes konfrontiert wurde, drohte sie mit dem totalen Verzicht auf den Buchbeitrag“, sagt Schwan.

Er habe daraufhin die Notbremse gezogen und Helmut Kohl einen Brief geschrieben. „Darin bat ich ihn, den von Rolf Steiniger eng an seinem Fernsehinterview angelehnten Buchbeitrag freizugeben. Andernfalls sähe ich mich außer Stande, weiterhin am vierten Band seiner Memoiren zu arbeiten“, so Schwan. „Wenige Tage später bekam ich ein Anwaltsschreiben, in dem die Zusammenarbeit gekündigt wurde.“