Hermann Vinke, der viele Jahre als ARD-Korrespondent auf mehreren Kontinenten unterwegs war, hat sich auch als Sachbuchautor einen Namen gemacht. Nun ist er Herausgeber des ersten Klima-Kalenders, der mit 53 Wochenblättern auf verschiedenste Aspekte der Krise hinweist. Unsere Frage der Woche lautet: Herr Vinke, mit was für Bildern schicken Sie uns durchs nächste Jahr?

Hermann Vinke: Gut, dass Sie nach den Bildern fragen. Zwar ist dies wirklich der erste explizit dem Klima gewidmete Kalender, doch ohne die eindrücklichen Fotos von blühendem oder vertrocknetem Land, von schmelzenden Gletschern oder Städte überragenden Kreuzfahrtschiffen würden meine schönsten Texte nicht viel bewirken. Ausgesucht und gestaltet hat sie der Grafiker Max Bartholl. Sein Gespür für ungewöhnliche Anblicke hat mich und meine Tochter sehr beeindruckt. Ja, wenn ich ihn erwähne, muss ich auch gleich sie nennen: Kira arbeitet am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und hat zum Thema Klimawandel und Migration promoviert, für den Kalender war sie meine wissenschaftliche Beraterin. Auch wenn Sie mich eher als politischen Journalisten kennen, muss ich sagen, dass mich diese Fragen schon lange beschäftigen. In Japan beobachtete ich den Kontrast zwischen der Schönheit der Tempel und der architektonischen Wüste mancher Megacities, in Mikronesien das Vordringen der Coca-Cola-Kultur in die pazifische Inselwelt, in Alaska Ölkatastrophen und im Golf von Mexiko und in der DDR schließlich die Verseuchung ganzer Landstriche durch die chemische Industrie. Darüber habe ich als Reporter berichtet.

Als die Verlegerin Elisabeth Raabe, die ich seit langem kenne, fragte, ob ich Lust hätte, solch einen Kalender zu entwickeln, war ich sofort dafür. Neben der Erhaltung des Friedens und der Sicherung unserer demokratischen Grundordnung ist dies das wichtigste Thema der Gegenwart. Vielleicht entscheidet sich schon 2021, ob wir das Abschmelzen der Polkappen und das Verschwinden des Permafrosts noch verhindern können. So habe ich Informationen gesammelt und möglichst knapp und möglichst überzeugend formuliert. Dazu steht auf jeder Seite noch ein Hinweis auf vertiefende Informationen. Im Idealfall hängt der Kalender bei Ihnen in der Küche. Sie fühlen sich im Laufe der Woche von der Botschaft so angesprochen, dass Sie am Wochenende die Webseiten mit den Hintergründen aufrufen. Denn auch wenn wir die Corona-Pandemie im kommenden Jahr hoffentlich in den Griff bekommen, bleiben durch die Klimakrise genügend Gründe, wachsam zu sein. (Notiert von Cornelia Geißler)

Der Klimakalender 2021. Edition Momente, 22 Euro