Mit „64“ erregte Hideo Yokoyama hierzulande Aufsehen: ein Roman, dessen Titel sich auf 1989, das letzte Jahr der Showa-Ära bezieht. Der 1957 geborene Japaner erhielt dafür 2019 gleich den Deutschen Krimipreis, sodass der Schweizer Atrium-Verlag unter dem arg an den Haaren herbeigezogenen Titel „2“ (weil es zwei Novellen sind) ein Buch und jetzt „50“ nachlegte. Soichiro Kaji, nicht nur Polizist, sondern auch ein hervorragender Kalligraph, hat „Der Mensch lebt fünfzig Jahre“ prominent in seiner Wohnung liegen. Die ermittelnden Kollegen vermuten darin die Ankündigung eines Suizids, den der 49-jährige Kaji begehen will, sobald er 50 wird. Schon nach der Tötung seiner Frau hat er versucht, sich das Leben zu nehmen – aber warum hat er es sich anders überlegt und sich zwei Tage später selbst angezeigt? Und warum ist er offenbar in den Tokioter Unterhaltungs- und Rotlicht-Bezirk Shinjuku gefahren, während die Leiche seiner Frau noch in der Wohnung lag?

„50“ ist so weit weg von einem Krimi, in dem ein Mörder oder eine Mörderin erraten werden muss, wie es nur geht. Seinen Reiz bezieht der Roman aus dem Rätsel eines Mannes, der immer aufrecht, ehrlich, freundlich war, der seine schwer an Alzheimer erkrankte Frau auf deren mehrfaches Verlangen hin getötet hat, dem man einfach nicht zutraut, nach der Tat und nach seinem Suizidversuch zu einer Prostituierten gefahren zu sein.

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