Gefangen im Zoo: Ein Affe hinter Gittern. (Symbolbild)
Foto: imago images / Steffen Schellhorn

LüneburgBereits früher hatte ich an dieser Stelle von den vielfältigen Tierversuchen erzählt, mit denen Menschen rund um den Globus einer Pandemie Herr zu werden versuchen, die überhaupt erst durch die Verschleppung von Tieren durch den Menschen begann. 

Von geradezu bemerkenswerter Geschmacklosigkeit zeugt nun die Eilfertigkeit, mit der ein veterinärmedizinisches Team in den Niederlanden Hilfe bei der Corona-Forschung angeboten hat, und zwar in einer Nerzfarm. In mindestens drei niederländischen Nerzfarmen ist ja inzwischen unter den Tieren Corona ausgebrochen.

In den Niederlanden gibt es 140 dieser grausamen Anlagen, in denen die normalerweise im und am Wasser lebenden Tiere auf dem Trockenen sitzen; wo die Einzelgänger mit ihren Artgenossen dicht an dicht in Käfigen festsitzen; und wo sie nicht einmal richtigen Boden unter den Füßen haben, sondern zumeist nur ein Gitter, durch das der Kot auf den Boden fällt. In solchen Farmen also wollen Veterinäre die Ausbreitung von Covid-19 untersuchen und den bisherigen Martern der Tiere noch weitere hinzufügen, die jeder gängige Tierversuch mit sich bringt: Angst und Stress durch Kontakt mit und Fixierung durch den Menschen, durch Untersuchungen, Injektionen und dergleichen.

Andernorts ist Rückkehr zu „business as usual“ angesagt, und so vermeldeten kürzlich zahlreiche Lokalzeitungen frohgemut, die Zoos und Tierparks würden wieder öffnen. Zur Erinnerung: Während des Shutdowns hatten mehrere deutsche Zoos berichtet, wegen der Einkommensausfälle wüssten sie kaum mehr, wie sie das Futter für die Tiere bezahlen sollten. Bereits nach wenigen Wochen ohne Besucherinnen war anscheinend dermaßen Ebbe in den Kassen, dass einige Zoos ankündigten, sie „müssten“ einige Tiere einschläfern lassen.

Ich habe gezögert, ob das Wort „ankündigen“ hier wirklich angemessen ist oder ob die Zoos mit der Tötung dieser Tiere nicht vielmehr drohten. Mir persönlich kam es ein wenig so vor, als verwendeten sie ihre Tiere als Geiseln. Denn es gibt zwar zahllose Privatpersonen und Tierheime, die hart darum kämpfen, Monat für Monat die laufenden Kosten zu zahlen. Aber das sind eben wohltätige Einrichtungen, die sich um Notfälle kümmern und Tiere versorgen, die ansonsten keine Chance hätten.

Zoos hingegen nehmen aus völlig freien Stücken Tiere auf, züchten sie, tauschen sie, kaufen sie oder lassen sie in der Wildnis fangen, um mit ihnen Besucher anzulocken und Geld zu verdienen. Wer solche Geschäfte macht, muss Rücklagen haben, um die zu versorgen, die er in seine Gewalt gebracht hat. Wem da das Futtergeld ausgeht, der ist nicht arm dran, sondern verantwortungslos.

Ebenso wenig Verständnis habe ich für die Zoobesucher. Einige Wochen lang waren sie auf die eigene Wohnung, den Gang zum Supermarkt, das Joggen im Park beschränkt; hatten digitalen Kontakt zur ganzen Welt, Nahrungs- und Freizeitgestaltung nach eigener Wahl. Ja, das waren keine schönen Wochen. Aber wer nach solch kurzem, recht komfortablem, lockerem Hausarrest mit erleichtertem Aufatmen den Wiedergewinn seiner Freiheit begrüßt, müsste der nicht ganz neue Anteilnahme zeigen für die im Zoo Gefangenen? Sie sitzen unendlich beengter, dürfen niemals tun, wozu die Evolution ihren Körper und ihren Geist befähigt hat, sitzen sinnlos ihre Zeit ab – und zwar ein Leben lang.