Judi Dench als die weise Katze Alte Deuteronomium.
Foto: Universal Pictures

BerlinWenn man sich den Trailer von „Cats“ ansieht, könnte man denken, dass man in einem großen Furry-Rollenspiel gelandet ist, auch wenn man jemanden wie Judi Dench in einem solchen Zusammenhang nicht vermuten würde. Fur heißt Pelz und Furry ist der Name einer Subkultur. Einige derer, die ihr angehören, verstehen sich als Tier und hüllen sich in entsprechende Kostüme. 

Digitale Pelze

Ob auch Charles Foster ein Furry ist? Er lebte eine Zeitlang als Dachs, Mauersegler oder Stadtfuchs, wühlte in Mülltonnen, kroch auf allen Vieren durch den Wald oder schnappte nach Fliegen. Mit all dem hat der auf dem gleichnamigen Erfolgsmusical von Andrew Lloyd Webber basierende Film  rein gar nichts zu tun. Zudem sind die Pelze digital.

Der Film folgt einer anderen Tradition, nach der Tieren menschliche Eigenschaften zugesprochen werden. Welche echte Katze würde im Ernst ein Lied wie „Memories“ singen. Katzengejammer klingt ganz anders und hat vermutlich auch keinen sentimentalen Grund. Der Film floppte in den Kinos und bei den Kritikern, die ihn als leer und kalt beschrieben, und nun hat man ihm auch noch den Schmähpreis „Goldene Himbeere“ in sechs Kategorien verliehen.

Wo steckt die Pointe?

Vor 40 Jahren riefen zwei Veteranen der Filmindustrie die Auszeichnung ins Leben – als ironisches Gegenstück zur Oscar-Verleihung. Wo aber steckt die Ironie, wo die Pointe bei dieser Wahl, wenn  man spätestens nach den Nominierungen weiß, wen es treffen wird?  

Vielleicht ist es an der Zeit, die „Razzies“ zu bewerten, so wie es bei den Oscars schon geschehen ist, die als zu weiß, zu männlich kritisiert wurden. Das hat dieses Jahr zu einem Überraschungssieger geführt: „Parasite“ von dem koreanischen Regisseur Bong Joon-ho.

Vornehm für Furz

Dem Leser völlig unverständlich dürfte es sein, dass ausgerechnet so eine delikate Beere wie die Himbeere als Symbol für diesen herabsetzenden Preis dient. Eine schnelle Recherche ergab: Rasberry Tart bedeutet in dem Londoner Dialekt Cockney Furz, warum auch immer. Später wurde das „rasberry“ in die gehobene Sprache integriert, als Ausweichwort für Furz. Es klingt einfach vornehmer.

Diese Erklärung bedeutet aber immer noch eine unverdiente Herabsetzung dieser köstlichen und so empfindlichen Frucht. Umbenennen sollte man die Razzies also auch.