Warum verdeckt ihr eure Gesichter in der Öffentlichkeit?

Karuzo: Wir haben um unser erstes Album „Foetus“ herum dieses Clown-Ding gebastelt und das Motiv durchgezogen. Irgendwann sind wir von der Schminke zu den Masken gewechselt. Das hat nichts damit zu tun, dass wir uns verstecken wollen, sondern dass da eine Figur geschaffen wird, die nach außen hin für unsere Musik stehen soll.

Sikk: Wir nehmen dem Deutschrap das Gesicht, um ihm ein neues zu geben.

Im Deutschrap gibt es viele Masken.

Karuzo: Da hat jeder seine eigenen Gründe. Es gab halt mal einen Sido, aber es gab auch einen MF Doom in den USA, oder Daft Punk und Slipknot, das ist ja keine raptypische Sache.

Sikk: Dann achtet man mehr auf die Musik.

In den USA wählen sich Rapper eher Kunstfiguren: wie Eminem, der für sich Slim Shady erdacht hat.

Karuzo: Wenn du an die Öffentlichkeit gehst, dann hast du natürlich immer dieses Rockstar-Ding: fame und bitches. Darum ging es uns aber nie. Deswegen war es nicht notwendig, die Fresse in die Kamera zu halten. So bleibt unser Alltag geschützt, und wir können freier Musik machen.

Sikk: Wir haben halt auch die Leute verfolgt, die an dem Bekanntsein zu Grunde gegangen sind.

Karuzo: Eminem ist ja auch nicht glücklich.

Verbindung von Musik und Spiritualität

Die Schriftzeichen auf dem Cover von „Achter Tag“ und viele inhaltliche Bezüge verraten Eure Begeisterung für japanische Kultur. Das erinnert an den Wu-Tang Clan…

Karuzo: Natürlich hat RZA, der Kopf vom Wu-Tang Clan, uns beeinflusst, aber das ist nicht der Grund für unsere Begeisterung. Wir haben das nicht nur übernommen, weil uns die Optik davon gefallen hat.

Sikk: Bei den Asiaten sind Kampfkunst und Spiritualität verbunden, und bei uns ist sind es eben Musik und Spiritualität.

Karuzo: Die Musik ist gewissermaßen unser Kung Fu.

Ähnlich wie der Wu-Tang Clan legt Ihr viel Wert auf das Kollektiv, auf Eure Crew.

Karuzo: Wu-Tang steht ja nur exemplarisch für Freundschaft und Loyalität. Zusammen ist man stärker und kann etwas erreichen. Vielleicht ist das im HipHop nicht so typisch, weil man als Rapper eher immer solo unterwegs ist. Trotzdem haben auch die Solo-Rapper ihre Musiker. Bei uns ist es nur offensichtlicher, weil wir das mehr nach außen tragen. Bei uns gibt es Rapper, Produzenten, Designer, Manager, DJ, wir machen die Videos selbst, das Bühnenbild, jede Grafik kommt von uns. Wir legen sehr viel Wert darauf, dass wir alles kontrollieren, was künstlerisch von uns produziert wird.

Sikk: Bei Wu Tang ist es aber auch so dass RZA der Kopf ist, er alle Beats macht und sagt, in welche Richtung es geht, das ist bei uns etwas anders. Wir sind alle RZA.

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