Queen Elizabeth die Zweite beim Royal Ascot Pferderennen. 
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BerlinHochverehrte Königin Elizabeth II., mit Trauer und Bestürzung habe ich zur Kenntnis genommen, dass Prinz Harry (Herzog von Sussex) und seine Frau Meghan (Herzogin von Sussex) sich vom Ihren königlichen Rollen im Königshaus Windsor zurückziehen wollen.

Ich kann Ihre Tränen der Enttäuschung, hochverehrte Königin, nicht trocknen. Noch vermag ich es, Ihr tiefes, aufrichtiges Unverständnis ob dieses Vorgangs in tiefes, aufrichtiges Verständnis zu verwandeln. Darf ich offen sprechen, meine Königin? Harry (der kleine Loser) und Meghan (amerikanisches Miststück) haben nie begriffen, was für ein göttliches Privileg es ist, Teil des glorreichen Königshauses Windsor zu sein! Ich schon.

Meine Königin, Sie werden mich nicht kennen, deshalb möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Jochen-Martin Gutsch, Duke of Absolutely Nothing. Ich entstamme nicht direkt einer königlichen Familie, aber doch einer Dynastie: von Zahnärzten. Seit drei Generationen wird in unserer Familie dem stolzen Beruf des Bohrens und Füllens von Löchern nachgegangen. Apropos Loch: Es wäre mir eine Ehre und ein Wunsch, das Loch zu füllen, das Harry (Loser) und Meghan (Miststück) in Ihrer Familie und in Ihrem Herzen hinterlassen haben.

Karlshorst: Das Windsor von Ost-Berlin

Was qualifiziert mich für einen Platz im Königshaus? Einiges. Ich wurde geboren in Karlshorst, auch bekannt als das Windsor von Ost-Berlin. Die Gegend in der ich aufwuchs, heißt: das Prinzenviertel. Ich denke, eine schicksalhafte Disposition für meinen Weg ins Königshaus ist nicht von der Hand zu weisen.

Das bescheidene Schloss, in dem meine Familie wohnte, wurde von der KWV gepflegt: der Königlichen Wohnungsverwaltung. Natürlich wuchs ich mit Bediensteten auf, über uns lebte meine Oma. Wir nannten Sie: Queen Mum. Der Umgang mit alten, starrköpfigen Personen, die viel vom Weltkrieg erzählen, ist mir nur allzu vertraut. Zu meinen ganz frühen Leidenschaften gehört der weiße Sport: Tennis. Oft stand ich auf dem Centre Court des Tennisplatzes der BSG Möbelkombinat. Ein Möbelkombinat, meine hochverdrehte Königin, müssen Sie sich vorstellen wie eine königliche Porzellanmanufaktur. Nur ohne Porzellan.

Stand ich mal nicht auf dem Tennisplatz, dann pflegte ich die Pferde. In Karlshorst gibt es eine Trabrennbahn, wo betrunkene, vierschrötige Männer ihr letztes Hartz-IV-Geld verwetten. No, I’m just kidding! In Karlshorst gibt es die königliche Pferde-Rennbahn, wo Herren und Damen von edlem Geblüt prächtige Hüte und Champagner-Flöten umhertragen. Es ist hier wie in Ascot.  

Meine hochsensible Königin, eines steht für mich an erster Stelle in einem Leben: Tradition. Ich liebe alles, was schon immer da war. Und verachte diejenigen, die alles neu erfinden. Gott hat die Welt innerhalb von sechs Tagen erschaffen! Sie verändern zu wollen, bedeutet: Blasphemie. Zur Tradition gehören für mich auch uniformierte Zeremonien. Gerne schlage ich Menschen zum Ritter. Oder zu irgendwas anderem. Besonders eine Zeremonie trage ich seit der Kindheit im Herzen: den Fahnenappell. You know Fahnenappell, my precious Queen? I can show you! It’s big time fun.  

Meine Frau ist, anders als Meghan (Miststück), bescheiden, arbeitsam und hat alle Folgen von „The Crown“ gesehen. Zusammen sind wir auch komplett ehrgeizlos, was die Thronfolge betrifft. Wir wollen nicht regieren. Nur im Schloss rumhängen und ein bisschen Charity machen. Irgendwo hungernden Kindern über den Kopf oder die aufgeblähten Bäuche streicheln – das lieben wir!  

Welchen Titel Sie mir geben, meine hochbezahlte Königin, bleibt Ihnen überlassen. Gerne bin ich der neue Herzog von Sussex. Oder der Duke of Karlshorst. Oder der kleine Lord. Oder der dunkle Lord. Oder der Earl Grey.